© Vladimir Srajber/Pexels

Land fördert 27 Projekte der Innenentwicklung

Fünf Kommunen erhalten neue Stellen für das Flächenmanagement, weitere 22 Vorhaben werden projektbezogen gefördert. Die Beispiele reichen von interkommunalen Wohnraumstrategien über die Neuordnung von Gewerbegebieten bis zu mehrfach genutzten Parkflächen.

Das Land Baden-Württemberg stellt in diesem Jahr rund 1,8 Millionen Euro für die Innenentwicklung bereit. Über das Programm „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ werden fünf kommunale Flächenmanagerinnen und Flächenmanager sowie 22 Projekte gefördert. Das Fördervolumen hat sich nach Angaben des Ministeriums für Landesentwicklung und Wohnen gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt.

Das Programm soll Kommunen und Regionalverbände dabei unterstützen, vorhandene Flächen besser zu nutzen. Im Mittelpunkt stehen Leerstände, untergenutzte Grundstücke, Brach- und Konversionsflächen sowie die Nachverdichtung bestehender Quartiere. Ein besonderes Augenmerk liegt in diesem Jahr außerdem auf Begrünung, Entsiegelung und Freiraumgestaltung.

„Stadtzentren, Ortsmitten und Quartiere sind das Herz unserer Städte und Gemeinden. Von ihrer guten Gestaltung profitieren alle“, erklärt Bauministerin Theresa Schopper. Mit dem Programm helfe das Land, Leerstände im Innenbereich zu bekämpfen und Flächen für Wohnen und Gewerbe zu schaffen.

Fünf Kommunen bekommen Flächenmanager

Balingen, Eberbach, Geislingen an der Steige, Heidelberg und Neckargemünd richten mit Unterstützung des Landes Stellen für das kommunale Flächenmanagement ein. Die Aufgaben unterscheiden sich je nach örtlichem Bedarf. Sie reichen von der Entwicklung ehemaliger Gewerbeflächen über die Nachverdichtung für neuen Wohnraum bis zur langfristigen Steuerung der Siedlungsentwicklung.

Flächenmanager sollen verfügbare Grundstücke und leer stehende Gebäude erfassen, Nutzungsmöglichkeiten prüfen und Eigentümer, Verwaltung, Politik und weitere Beteiligte zusammenbringen. Damit übernehmen sie eine koordinierende Funktion bei Vorhaben, die häufig an unterschiedlichen Interessen, ungeklärten Zuständigkeiten oder fehlenden Ansprechpartnern scheitern.

„Flächenmanager sind die Kümmerer vor Ort“, sagt Schopper. Sie brächten die relevanten Akteure an einen Tisch und sorgten dafür, dass Leerstände und untergenutzte Flächen wieder mit Leben gefüllt werden könnten.

Kommunen planen Wohnraum gemeinsam

Wie Innenentwicklung über Gemeindegrenzen hinweg organisiert werden kann, zeigt ein Projekt des Regionalverbands Hochrhein-Bodensee. Gemeinsam mit Bad Säckingen, Herrischried, Murg, Rickenbach und Wehr soll eine interkommunale Strategie zur Aktivierung von Wohnraum entstehen.

Für acht ausgewählte Innenentwicklungsgebiete wollen die Beteiligten konkrete Aktivierungsstrategien erarbeiten. Grundlage sollen ein gemeinsamer methodischer Rahmen und ein interkommunales Planungsmanagement sein. Auf diese Weise können kleinere Kommunen Wissen und personelle Kapazitäten bündeln.

Blick auf die Holzbrücke und Altstadt von Bad Säckingen

Bad Säckingen ist Teil eines interkommunalen Projekts des Regionalverbands Hochrhein-Bodensee. Gemeinsam mit Herrischried, Murg, Rickenbach und Wehr entwickelt die Stadt Strategien, um Wohnraum im Bestand zu aktivieren.

Auch Altensteig erhält eine Förderung. Unter dem Titel „Lebendige Mitte(n)“ entwickelt die Stadt ein Konzept für die Innenentwicklung ihrer Kernstadt und ihrer Stadtteile. Das Land unterstützt das Vorhaben mit 84.120 Euro.

Engelsbrand bekommt 34.617 Euro für ein Zukunftskonzept. Die Gemeinde will untersuchen, wie sie Flächen im Innenbereich besser nutzen und ihre Standorte für öffentliche Einrichtungen langfristig weiterentwickeln kann.

Gewerbeflächen neu ordnen

Innenentwicklung betrifft nicht allein den Wohnungsbau. Der Zweckverband Wirtschaftsförderung Zabergäu will sein bestehendes Gewerbegebiet flächeneffizient neu ausrichten. Frei werdende Grundstücke sollen möglichst ansässigen Unternehmen zur Verfügung stehen, die zusätzliche Flächen für ihre Entwicklung benötigen.

Das Beispiel zeigt, dass wirtschaftliches Wachstum nicht zwangsläufig neue Gewerbegebiete auf bisher unbebauten Flächen voraussetzt. Durch eine Neuordnung, dichtere Nutzung oder gemeinsame Infrastruktur können auch bestehende Gebiete zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten bieten.

In Beilstein steht das Raumaier-Areal im Mittelpunkt. Ein moderierter Entscheidungsprozess soll klären, wie die Fläche künftig genutzt und entwickelt werden kann. Dazu werden verschiedene städtebauliche Varianten erarbeitet. Die Förderung beträgt rund 41.000 Euro.

Auch Asperg setzt auf ein strukturiertes Verfahren. Für das Bahnhofsareal ist ein städtebaulicher Realisierungswettbewerb vorgesehen. Er soll Perspektiven für eine künftige Wohnnutzung und eine Neuordnung des Verkehrs aufzeigen.

Flächen mehrfach nutzen und entsiegeln

Holzgerlingen untersucht eine ungewöhnliche Form der Mehrfachnutzung. Auf dem Gelände des Schönbuch-Gymnasiums soll eine Machbarkeitsstudie klären, ob über bestehenden Autostellplätzen ein aufgeständertes Fahrradparkdeck gebaut werden kann. Die Fläche würde damit doppelt genutzt.

Zugleich könnten die bisherigen Fahrradstellplätze im Pausenhof entfallen und die dort versiegelte Fläche geöffnet und begrünt werden. Das Vorhaben verbindet damit flächensparendes Bauen, nachhaltige Mobilität und Klimaanpassung.

Pleidelsheim erhält rund 37.800 Euro für das Projekt „Pleidelsheim 2040“. Die Gemeinde setzt dabei auf die sogenannte dreifache Innenentwicklung. Das bedeutet, dass zusätzliche Bebauung mit mehr Grünflächen und neuen Mobilitätsangeboten verbunden wird. Ziel ist eine Ortsentwicklung, die Flächen effizienter nutzt und zugleich die Lebensqualität verbessert.

Die geförderten Beispiele zeigen die Bandbreite der Innenentwicklung: Es geht nicht nur darum, freie Grundstücke zu bebauen. Kommunen können bestehende Quartiere neu ordnen, Leerstände aktivieren, Flächen mehrfach nutzen und zusätzlichen Raum für Grün schaffen. Damit lassen sich Wohnungsbau, wirtschaftliche Entwicklung und Klimaanpassung miteinander verbinden.