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Was Kommunen jetzt für widerstandsfähige Gewässer tun können

Bäume am Ufer, Rückzugsräume für Fische und naturnähere Flussläufe können die Folgen des Klimawandels abmildern. Aktuelle Handlungsempfehlungen zeigen, welche Maßnahmen Kommunen bereits jetzt umsetzen können. Bundesumweltminister Carsten Schneider fordert zugleich deutlich höhere Investitionen in die Wasserinfrastruktur.

Trotz des beginnenden Herbstes gibt es beim Wasserstand in Baden-Württemberg keine Entwarnung. Nach Angaben des Niedrigwasser-Informationszentrums erlebt der Südwesten ein historisches Wasserdefizit. Seit November 2025 waren mit Ausnahme des Februars alle Monate deutlich zu trocken. Im August 2026 fielen landesweit durchschnittlich nur 63 Millimeter Regen. Üblich wären 95 Millimeter.

Die Folgen der lang anhaltenden Trockenheit sind an vielen Flüssen und Bächen sichtbar. Sinkende Wasserstände und steigende Temperaturen belasten Tiere und Pflanzen. In Rhein, Donau und Neckar wurden Tagesmitteltemperaturen von mehr als 25 Grad gemessen. Erwärmt sich das Wasser, nimmt sein Sauerstoffgehalt ab. Besonders kälteliebende Fische und wirbellose Kleintiere geraten dadurch unter Stress.

Für Kommunen wird es deshalb immer wichtiger, ihre Gewässer an Hitze und längere Trockenphasen anzupassen. Die Monate von Oktober bis Februar eignen sich nach Angaben des Kompetenzzentrums Wasser und Boden der KEA-BW besonders gut, um entsprechende Arbeiten vorzunehmen.

Bäume wirken wie natürliche Klimaanlagen

Eine vergleichsweise einfache Maßnahme ist die Bepflanzung der Ufer. Bäume und Sträucher beschatten das Wasser und bremsen seine Erwärmung. Ihre Wurzeln stabilisieren außerdem die Ufer und schaffen natürliche Verstecke für Fische.

Als geeignete Arten nennt die KEA-BW unter anderem Schwarz-Erlen, Baumweiden, Flatter-Ulmen und Schwarzpappeln. Die Gehölze sollten möglichst nahe an der Uferlinie gepflanzt werden. Die konkrete Planung müssen Kommunen mit der unteren Wasserbehörde und der unteren Naturschutzbehörde abstimmen.

Viele Bäche und Flüsse wurden in der Vergangenheit begradigt oder stark verbaut. Dadurch fehlen ihnen heute Ufergehölze, natürliche Abflussverhältnisse und ausreichend Raum. Naturnahe Gewässer sind dagegen widerstandsfähiger. Sie können Wasser länger in der Landschaft halten und sowohl Niedrigwasser als auch Hochwasser und Starkregen besser abfedern.

Rückzugsräume für Fische schaffen

Wo natürliche Vertiefungen und Unterstände fehlen, können Kommunen gezielt neue Rückzugsräume schaffen. Eine Möglichkeit sind sogenannte Kaltwasserpools. Dabei handelt es sich um Vertiefungen am Gewässergrund, die durch Grundwasser oder kühlere Zuflüsse gespeist werden. Bei hohen Temperaturen und niedrigen Pegelständen bieten sie Arten wie Äschen und Bachforellen Schutz.

Auch künstliche Fischunterstände können helfen. Welche Bauweise geeignet ist, hängt von den vorkommenden Fischarten ab. Große Schwarmfische wie Nasen und Barben benötigen größere und tiefere Unterstände. Für Bachforellen reichen kleinere Rückzugsorte.

„Die Monate Oktober bis Februar eignen sich ideal, um Unterhaltungsarbeiten wie das Pflanzen von Bäumen und den Bau von Fischunterständen voranzutreiben“, erklärt Georg Kahles, Leiter des Kompetenzzentrums Wasser und Boden. Berücksichtigt werden müssten dabei unter anderem der Hochwasserschutz und die Laichzeiten der Fische.

Schneider fordert neue Wasserpolitik

Die Niedrigwasserlage beschäftigt inzwischen auch die Bundespolitik. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) forderte vergangene Woche einen grundlegend anderen Umgang mit Wasser. Die Länder sollten einen erheblichen Teil ihrer Mittel aus dem Sondervermögen in die Wasserinfrastruktur investieren.

Während Wasser in der Vergangenheit möglichst schnell abgeleitet und feuchte Flächen trockengelegt worden sei, müsse es künftig stärker in der Landschaft gehalten werden. Schneider nennt als Beispiele die Wiedervernässung von Mooren, mehr Raum für Flüsse und Auen sowie den Umbau von Wäldern zu stabileren Mischwäldern. Auch die technische Wasserinfrastruktur müsse modernisiert werden.

Damit rückt neben kurzfristigen Schutzmaßnahmen eine langfristige Aufgabe in den Mittelpunkt: Kommunen benötigen ausreichend Flächen, Geld und Fachpersonal, um Bäche, Flüsse und Landschaften an die veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen.

Niedrigwasser belastet auch die Wirtschaft

Die niedrigen Pegelstände sind längst nicht nur ein ökologisches Problem. Sie können auch Industrie, Schifffahrt und Energieversorgung beeinträchtigen. Binnenschiffe können derzeit weniger Ladung transportieren. Davon betroffen ist unter anderem die Versorgung süddeutscher Kohlekraftwerke.

Nach Angaben der Bundesnetzagentur hat dies bislang keine Auswirkungen auf die Verfügbarkeit der Kraftwerke. Die Industrie- und Handelskammer rechnet jedoch mit möglichen wirtschaftlichen Schäden in Milliardenhöhe.

Für Städte und Gemeinden wächst damit der Handlungsdruck. Maßnahmen wie Uferbepflanzungen und Fischunterstände lassen sich bereits auf örtlicher Ebene angehen. Eine dauerhaft widerstandsfähige Wasserlandschaft erfordert jedoch größere Investitionen und eine abgestimmte Politik von Kommunen, Ländern und Bund.