Sparsam und smart
Die Gemeinde Untergruppenbach hat ihre gesamte Straßenbeleuchtung auf intelligente LED-Technik umgestellt. Eine Investition, die sich für die Kommune im Kreis Heilbronn mit rund 8.700 Einwohnerinnen und Einwohnern lohnt – und zwar gleich mehrfach: „Rund 507.000 Kilowattstunden hat die Straßenbeleuchtung bislang jedes Jahr verbraucht. Nach der Umstellung auf LED-Technik wird dieser Wert um 84 Prozent sinken“, sagt Bürgermeister Andreas Vierling. Erste Zwischenbilanzen stimmen ihn zuversichtlich. „Ich bin jetzt natürlich auch mal aufs erste volle Jahr gespannt. Jahresende 2025 wissen wir dann, was tatsächlich Sache war.“
Vollständige Umrüstung in Rekordzeit
Die Maßnahme wurde 2024 in wenigen Monaten umgesetzt. „Wir haben im vergangenen März mit der Umstellung begonnen. Im Juli waren dann die letzten Arbeiten gemacht. Das gesamte Straßenbeleuchtungsnetz war damit umgestellt“, sagt Vierling. Insgesamt umfasst das Netz rund 1.400 Leuchtstellen. „960 technische Leuchten und 291 dekorative Leuchten“, zählt der Bürgermeister auf. Die restlichen rund 150 Leuchtstellen hatte die Kommune bereits zuvor auf LED-Technik umgestellt. „Wir haben sie mit wenigen Ausnahmen, die Sie an einer Hand abzählen können, tatsächlich eins zu eins ersetzt.“

Sichtbar verändert hat sich dabei nicht nur die Energieeffizienz – sondern auch die Lichtqualität. „Heute sind unsere Straßen perfekt ausgeleuchtet – und wir haben kein Streulicht mehr, keine Lichtverschmutzung“, betont der Bürgermeister. Auch Beschwerden habe es kaum gegeben. Im Gegenteil: „Einige Bürgerinnen und Bürger haben sich sogar gemeldet und erzählt: ‚Seit ihr die Beleuchtung umgestellt habt, brauche ich zu Hause wieder Licht – draußen ist es nicht mehr so hell wie früher.‘ Das zeigt: Das Licht kommt jetzt gezielt dort an, wo es wirklich gebraucht wird.“
Smarte Technik, spürbare Effekte
Eine zentrale Rolle spielt dabei die smarte Steuerung. „Die Straßenbeleuchtung wird nicht nur nach Tageszeit und Umgebungshelligkeit gesteuert, sondern auch nach Wetter, Bewegungen und Verkehrsaufkommen“, erklärt Vierling. Eine Rolle dabei spielen verbaute Bewegungssensoren. „In Seitenstraßen etwa wird die Beleuchtung nachts automatisch auf 20 bis 30 Prozent gedimmt, wenn niemand unterwegs ist. Kommt jemand, wird sie sanft hochgefahren“, so der Bürgermeister. „Das Tolle ist: Man merkt kaum etwas davon – es ist immer Licht da, wenn man es braucht.“
Gesteuert wird das System vom lokalen Energieversorger. „Er ist auch für den Betrieb der Straßenbeleuchtung zuständig“, erklärt Vierling. „Wir als Gemeinde haben einen lesenden Zugriff, könnten theoretisch auch selbst eingreifen – aber bisher läuft alles reibungslos.“
Grundlage für weitere Smart-City-Maßnahmen
Die Steuerung eröffnet weitere Möglichkeiten: „Die Technik könnte künftig auch zur Analyse von Verkehrsströmen genutzt werden“, sagt der Bürgermeister. „Oder man ergänzt sie um weitere Sensoren – etwa zur Bewässerung von Pflanzbeeten oder für die Füllstandsmessung von Mülleimern.“
Auch wirtschaftlich geht die Rechnung auf. Die Umstellung kostete rund 929.000 Euro. „Der Zuschuss belief sich auf 430.000“, berichtet Vierling. Finanziert wurde die Maßnahme über das Bundesförderprogramm „Zukunft, Umwelt. Gesellschaft (ZUG)“. Bei der Umsetzung habe man sich bewusst Zeit für eine sorgfältige Planung genommen. „Wir haben versucht, vernünftig zu planen und haben uns auch genug Zeit gelassen.“ Auch die Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern sei unkompliziert verlaufen.
Mehr als nur Licht – ein System mit Zukunft
Die Umstellung erfolgte übrigens flächendeckend – eine Seltenheit in Baden-Württemberg. „Der Betriebsführer hat uns zurückgemeldet, wir seien vermutlich die einzige Kommune in Baden-Württemberg, die die Umstellung flächendeckend umgesetzt hat“, berichtet der Rathauschef weiter. Zwar seien viele Kommunen „gerade dran“, aber die meisten nähmen es nur schrittweise in Angriff. Für Vierling keine Option: „Wenn ich den Aufwand habe, dann mache ich es einmal richtig – und dann ist es erledigt.“

Die Gemeinde Untergruppenbach versteht das Projekt auch als Blaupause für weitere Digitalisierungsschritte. „Wir haben jetzt ein System, das wir vielleicht heute noch gar nicht voll ausschöpfen – aber in Zukunft viele Möglichkeiten eröffnet.“ Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern auch um Haltung: vorausschauend denken, Potenziale erkennen, systematisch umsetzen. Oder wie es Vierling selbst formuliert: „Wir versuchen in dem Bereich gerade relativ viel zu machen – Thema Energie und Optimierungen.“ Die LED-Umstellung war dabei ein sichtbarer Meilenstein – vielleicht aber auch nur der Anfang.
