Kinderschutz vor Ort: Land fördert kommunale Aktionen
Aufwachsen war nie leicht. Doch in einer Welt, die nicht mehr nur analog, sondern auch digital stattfindet, sind neue Risiken hinzugekommen. Beleidigungen, Hassbotschaften und sexualisierte Inhalte gehören für viele Jugendliche inzwischen zum digitalen Alltag. Laut JIM-Studie 2025, einer repräsentativen Untersuchung zum Medienverhalten von 12- bis 19-Jährigen in Deutschland, begegneten 64 Prozent der Jugendlichen innerhalb eines Monats Beleidigungen im Netz, 47 Prozent Hassbotschaften und 28 Prozent ungewollt pornografischen Inhalten. Zugleich registrierte die Polizei 2025 bundesweit mehr als 20.000 minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs. Knapp 4.900 Fälle betrafen Missbrauchshandlungen an Kindern ohne Körperkontakt, zu denen auch Cybergrooming zählt.
Kinderschutz gezielt stärken
Vor diesem Hintergrund ruft Baden-Württemberg Städte, Gemeinden und Landkreise dazu auf, den Kinder- und Jugendschutz vor Ort sichtbarer zu machen. Und zwar im Rahmen von Aktionstagen Kinder- und Jugendschutz 2026/27, die vom 1. September 2026 bis 30. September 2027 stattfinden sollen. Auch Vereine, Verbände, Initiativen und Kirchen können sich beteiligen. Im Jahr 2025 gab es im Land laut Sozialministerium 220 derartige Veranstaltungen.
Im Mittelpunkt stehen digitalisierte und mediatisierte Gewalt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Kindern und Jugendlichen mit einem erhöhten Risiko für Gewalterfahrungen. Zudem sollen Präventionsangebote und Peer-to-Peer-Ansätze, insbesondere gegen sexualisierte Gewalt, gestärkt werden. Besonders berücksichtigt werden junge Menschen mit Behinderungen oder psychischen und chronischen Erkrankungen, von Armut Betroffene, junge Menschen mit Flucht- oder Einwanderungsgeschichte sowie Kinder und Jugendliche mit Gewalterfahrungen.
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Gemeinsam stark für Kinder
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Bis zu 2.000 Euro für lokale Projekte
Für Kommunen lassen sich die Aktionstage an bestehende Strukturen anknüpfen. Denkbar sind Aktionen bei Stadt- und Gemeindefesten, Angebote zum digitalen Jugendschutz in Jugendhäusern, Elternworkshops, Selbstbehauptungsangebote oder gemeinsame Projekte von Jugendamt und Polizei, die lokale Hilfen bekannter machen. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche zu stärken, Eltern zu sensibilisieren und Fachkräfte zu vernetzen.
Für lokale Projekte können Kommunen und zivilgesellschaftliche Akteure über den „Aktionstaler Kinder- und Jugendschutz 2.0“ einen Sachkostenzuschuss von bis zu 2.000 Euro beantragen. Das Land stellt zudem Praxisbeispiele und Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit bereit. Eine digitale Informationsveranstaltung findet am 24. September 2026 von 12 bis 13 Uhr statt, eine weitere ist für Februar 2027 vorgesehen.
Die Aktionstage sind Teil des 2025 veröffentlichten Masterplans Kinderschutz mit 52 Maßnahmen. Für Kommunen sind sie ein Anlass, Prävention und Kinderschutz mit lokalen Partnern weiterzuentwickeln.