Arbeitende Frau am Schreibtisch mit Kind auf dem Schoß
Eine verlässliche und gut ausgebaute Kinderbetreuung kann Eltern dabei helfen, ihre Arbeitszeit auszuweiten. Das IW sieht darin einen wichtigen Ansatz, um das Teilzeitpotenzial im öffentlichen Dienst besser zu nutzen.
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IW-Studie: Mehr Vollzeit könnte Personallücken in Kommunen deutlich verkleinern

In Deutschlands Kommunalverwaltungen steckt nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) erhebliches zusätzliches Arbeitskräftepotenzial. Würden Teilzeitbeschäftigte ihre Arbeitszeit vollständig auf Vollzeit ausweiten, entspräche das allein in den Kommunalverwaltungen rechnerisch rund 41.800 zusätzlichen Vollzeitkräften. Auch in Kitas und Schulen sind die Reserven besonders groß.

Der Personalmangel bleibt für Städte und Gemeinden eine der größten Herausforderungen. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt nun, dass ein Teil der Lücke durch eine höhere Arbeitszeit bereits beschäftigter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschlossen werden könnte. Im Fokus stehen dabei Beschäftigte, die bislang in Teilzeit arbeiten.

Kommunalverwaltungen könnten rechnerisch 41.800 Vollzeitkräfte gewinnen

Für die Kommunalverwaltungen beziffert Studienautor Björn Kauder das theoretisch zusätzlich mobilisierbare Arbeitsvolumen auf rund 41.800 Vollzeitäquivalente. Besonders groß fällt das Potenzial in Aufgabenbereichen aus, die für die Kommunen ebenfalls von zentraler Bedeutung sind: In den Kindertagesstätten könnten rechnerisch 54.400 Vollzeitäquivalente hinzukommen, an den Schulen sogar 153.000.

Insgesamt errechnet das IW für Länder und Kommunen ein maximales zusätzliches Arbeitsvolumen von rund 614.000 Vollzeitäquivalenten. Wird der Bund einbezogen, steigt die Zahl auf 634.000. Zum Vergleich: Der Deutsche Beamtenbund beziffert den aktuellen Personalmangel im gesamten öffentlichen Dienst auf 631.000 Beschäftigte.

Allerdings betont das IW, dass es sich dabei um eine theoretische Obergrenze handelt. Dass sämtliche Teilzeitbeschäftigten künftig Vollzeit arbeiten, sei nicht realistisch. Interessant ist deshalb eine zweite Berechnung: Würden die Beschäftigten von Ländern und Kommunen im Durchschnitt lediglich so viele Stunden arbeiten wie heute im öffentlichen Dienst Sachsen-Anhalts – dem Bundesland mit der höchsten durchschnittlichen Arbeitszeit –, entspräche dies immer noch einem zusätzlichen Arbeitsvolumen von 294.000 Vollzeitäquivalenten.

Baden-Württemberg zählt zu den Ländern mit besonders großem Teilzeitpotenzial

Auch regional zeigen sich erhebliche Unterschiede. In Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz könnte das Arbeitsvolumen von Ländern und Kommunen bei einer vollständigen Ausschöpfung des Teilzeitpotenzials um etwa 19 bis 21 Prozent steigen. In den ostdeutschen Ländern fallen die Reserven dagegen deutlich kleiner aus. Grund dafür ist nach Einschätzung des IW unter anderem die traditionell höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und eine stärker ausgebaute Kinderbetreuung.

Für die kommunale Ebene ist zudem bemerkenswert: Zwar fällt das rechnerische Potenzial in den meisten Bundesländern bei den Ländern etwas größer aus als bei den Kommunen. Dennoch sieht das IW gerade in den Kommunalverwaltungen einen relevanten Hebel, weil dort gleichzeitig vielerorts eine dünne Personaldecke besteht. Ob die Teilzeitreserven allerdings genau dort vorhanden sind, wo bestimmte Fachkräfte besonders dringend gesucht werden, lässt sich anhand der verfügbaren Daten nicht abschließend feststellen.

Um Beschäftigten eine Aufstockung ihrer Arbeitszeit zu erleichtern, nennt das IW unter anderem eine bessere Kinderbetreuung als Ansatzpunkt. Denkbar sei auch, Teilzeitregelungen stärker zu befristen. Gleichzeitig warnt die Studie davor, Teilzeitmöglichkeiten zu stark einzuschränken: Das könnte die Attraktivität des öffentlichen Dienstes als Arbeitgeber wiederum schwächen.

Zur Studie: IW-Kurzbericht 58/2026 „Öffentlicher Dienst: Potenziale durch mehr Vollzeit“