Schwimmunterricht im Fokus
Immer weniger Kinder lernen sicher schwimmen. Gleichzeitig fehlen vielerorts Wasserflächen, Unterrichtseinheiten fallen aus und bestehende Kapazitäten werden nicht optimal genutzt.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Schwimmenlernen künftig effizienter, flexibler und nachhaltiger organisiert werden kann. Im Rahmen des ganztägigen Workshops kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Ministerien, Verbänden, Schwimmsport, Verwaltung und Bildungseinrichtungen zusammen, um Perspektiven für das Schwimmenlernen in Deutschland zu entwickeln. Im Mittelpunkt standen die effizientere Nutzung bestehender Wasserflächen sowie die Potenziale des Freiwasserschwimmens als ergänzender Lern- und Bewegungsraum.
Wasserflächenmanagement uns Schwimmunterricht: Bestehende Ressourcen besser nutzen
Im ersten Teil des Workshops stand die Nutzung vorhandener Wasserflächen im Fokus. Viele Kapazitäten werden derzeit nicht optimal ausgeschöpft, da insbesondere von Schulen reservierte Wasserzeiten aufgrund von Unterrichtsausfällen oder organisatorischen Änderungen kurzfristig ungenutzt bleiben. Diese freien Zeiten können bislang oft nicht flexibel an Vereine, Schwimmschulen oder Kindertagesstätten weitergegeben werden.
Die Teilnehmenden waren sich einig, dass neben zusätzlichen Wasserflächen vor allem intelligentere Steuerungs- und Vergabesysteme benötigt werden. Deshalb sollen Pilotprojekte neue Modelle der Wasserflächenkoordination erproben, wobei die Stuttgarter Bäder ihre Bereitschaft als Pilotpartner signalisierten.
Im Mittelpunkt stehen verbindlichere Planungsprozesse, die transparente Darstellung freier Wasserflächen, Modelle zur temporären Weitergabe ungenutzter Kapazitäten sowie digitale Steuerungsinstrumente. Ziel ist es, vorhandene Ressourcen besser auszuschöpfen und Leerzeiten zu reduzieren.
Ein weiterer Schwerpunkt war die mögliche Einführung von Blockunterricht im Schwimmen. Kompakte Schwimmphasen mit täglichem Unterricht – und Schulwochen über Programme, wie „Rent a Schwimmtrainer“ – könnten wirksamer sein als das bisher häufig praktizierte Wochenmodell. Gleichzeitig sollen organisatorische Vorteile für Schulen und externe Schwimmtrainer geprüft werden.
Darüber hinaus sollen Kommunen, Schulen, Schwimmbäder, Vereine, Schwimmschulen und Verbände künftig enger zusammenarbeiten und bestehende Ressourcen besser nutzen. Das Ganztagsförderungsgesetz wurde als Chance gesehen, Schwimmangebote stärker in den Schulalltag zu integrieren.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt zudem die frühzeitige Förderung von Wasserkompetenz. Kinder, Eltern und pädagogische Fachkräfte sollen bereits im Vorschulalter stärker für Wassersicherheit, Wassergewöhnung und Schwimmenlernen sensibilisiert werden.
Freiwasserschwimmen als zusätzlicher Lernraum für den Schwimmunterricht
Der zweite Teil des Workshops beschäftigte sich mit den Potenzialen des Freiwasserschwimmens. Erfahrungen aus der Schweiz zeigen, dass natürliche Gewässer unter geeigneten Rahmenbedingungen erfolgreich für das Schwimmenlernen genutzt werden können. Freiwasser wird dort nicht nur als Risikoraum, sondern als wertvoller Lern-, Bewegungs- und Erfahrungsraum betrachtet.
Daher könnten Seen künftig stärker als ergänzende Lernorte fungieren. Angesichts begrenzter Hallenkapazitäten eröffnet dies neue Möglichkeiten für das Schwimmenlernen und die Wassergewöhnung.
Voraussetzung hierfür sind geeignete Sicherheitskonzepte, klare Abläufe, passende Ausrüstung sowie eine sorgfältige Vorbereitung von Kindern, Lehrkräften und Eltern. Als konkretes Ergebnis wurde die Entwicklung eines Pilotprojekts zum Freiwasserschwimmen vereinbart, sowie die Zusammenstellung sogenannter Equipment-Boxen für Seen oder Freibäder. Inhalt soll vor allem eine Sicherheitsausrüstung sein.
Darüber hinaus wurden innovative Freiwasser-Lernräume diskutiert, darunter schwimmende Plattformen für Bewegungs- und Bildungsangebote. Besonders positiv bewertet wurde die Möglichkeit, Schwimmenlernen stärker mit Naturerfahrung, Umweltbildung, Resilienzförderung und MINT-Themen zu verbinden.
Die Rolle der Künstlichen Intelligenz wurde thematisiert mit dem Ziel, digitale Systeme zu integrieren, um Wasserflächen effizienter zu steuern, Sicherheitsaspekte zu verbessern oder Lernprozesse individueller zu begleiten.
Fazit und nächste Schritte
Der Workshop machte deutlich, dass die Zukunft des Schwimmenlernens vor allem in einer intelligenteren Nutzung vorhandener Ressourcen, stärkeren Kooperationen und innovativen Lernformaten liegt. Die Kombination aus verbessertem Wasserflächenmanagement, digitalen Lösungen, neuen Partnerschaften und Freiwasser-Angeboten als ergänzende Lernräume bieten großes Potenzial, um Kindern künftig bessere Zugänge zum Schwimmenlernen und zur Wasserkompetenz zu ermöglichen.
Mit den vereinbarten Pilotprojekten und den angestoßenen Kooperationen zwischen Kommunen, Schulen und Vereinen wurde eine wichtige Grundlage geschaffen, um bestehende Strukturen weiterzuentwickeln und neue Wege für das Schwimmenlernen in Deutschland zu erproben. Die Josef Wund Stiftung freut sich auf die Zusammenarbeit mit den beteiligten Projektpartnern.
Die Josef Wund Stiftung
Die Josef Wund Stiftung wurde vom Architekten und Unternehmer Josef Wund gegründet. In seinem Sinne gibt sie Impulse für gesellschaftlichen Fortschritt und unterstützt engagierte Menschen mit kreativen, ungewöhnlichen Lösungsansätzen für zentrale Herausforderungen unserer Zeit.
Schwerpunkte sind Projekte in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Kreativität. Eine übergeordnete Rolle spielt dabei das Thema Wasser.
Im Fokus steht die Entwicklung neuer Bildungs- und Bewegungsangebote sowie die Vernetzung von Akteuren aus Bildung, Sport und Wissenschaft. Ziel ist es, langfristig mehr Kindern sichere Zugänge zum Wasser und zum Schwimmenlernen zu ermöglichen.