Automobilproduktion in Baden-Württemberg. Fließband, ein Mann checkt eine Karosserie
Automobilproduktion in Baden-Württemberg: Die Krise der Branche schlägt sich im IW-Regionalranking direkt auf die Standortentwicklung im Südwesten nieder.
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Regionenvergleich: Baden-Württemberg verliert bundesweit am stärksten

Das neue Regionalranking des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt: Baden-Württemberg hat im bundesweiten Zehnjahresvergleich den höchsten Anteil an Regionen, die Rangplätze verloren haben. Der Transformationsdruck in der Industrie macht sich bemerkbar.

Ein neues Ranking des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeichnet ein besorgniserregendes Bild für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg. Im erstmals möglichen Zehnjahresvergleich schneidet kein Bundesland schlechter ab als der Südwesten: Mehr als jeder zweite Landkreis hat seit 2016 mindestens 25 Rangplätze eingebüßt. Das geht aus dem IW-Regionalranking 2026 hervor, das alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte Deutschlands nach Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt und Lebensqualität bewertet.

Automobilkrise trifft Industrieherz des Landes

Für IW-Regionalexperte Hanno Kempermann liegt die Ursache auf der Hand: „Energiekrise, Stagnation und geopolitische Verwerfungen treffen den industriellen Kern Deutschlands besonders. Baden-Württemberg sei als klassisches Industrieland mit starker Automobil- und Zuliefererbranche in den vergangenen Jahren gleich von mehreren Seiten unter Druck geraten. Der Transformationsdruck schlage sich unmittelbar in den Rangverlusten nieder – und das trotz nach wie vor solider Ausgangslage: Im Niveauranking, das den aktuellen wirtschaftlichen Status abbildet, zählen die meisten Regionen des Landes noch immer zum überdurchschnittlichen Feld. Die Spitzengruppe bundesweit aber bleibt für Baden-Württemberg außer Reichweite.

Karlsruhe als Ausnahme im Dynamikvergleich

Im Dynamikranking, das die Entwicklung der vergangenen zwei Jahre misst, schafft es mit der Stadt Karlsruhe immerhin eine südwestdeutsche Region unter die zehn dynamischsten Städte und Kreise des Landes – Platz sechs. Das ist bemerkenswert, weil beim vorigen Ranking 2024 keine einzige Region aus Baden-Württemberg in dieser Gruppe vertreten war. Insgesamt aber gilt: Bayern und Baden-Württemberg stellen zwar zusammen gut drei Viertel der Top-100-Regionen im Niveauvergleich. Beim Blick auf die Entwicklungsrichtung kehrt sich das Bild jedoch um.

Brandenburg als Gegenbild: Strukturwandel kann gelingen

Während Baden-Württemberg im Langzeitvergleich das schlechteste Ergebnis aller Bundesländer aufweist, steht Brandenburg für das Gegenteil. Rund 80 Prozent der dortigen Regionen zählen seit 2016 zu den Aufsteigern. Angeführt wird das bundesweite Dynamikranking von Cottbus: Die frühere Braunkohleregion hat sich in den vergangenen zwei Jahren stärker verbessert als jede andere der 400 untersuchten Einheiten. Investitionen in Forschung und Wissenschaft, ein neues ICE-Instandhaltungswerk und die Umgestaltung des ehemaligen Tagebaus zu einem Seengebiet haben die Stadt zu einem neuen wirtschaftlichen Ankerpunkt in der Lausitz gemacht.

Kempermann sieht darin eine Lehre für Regionen im Wandel: „Keine erfolgreiche Region hat auf einen kompletten Strukturbruch gesetzt – sie alle knüpfen an vorhandene Stärken an und entwickeln sie gezielt weiter. Neben Cottbus nennt die Studie auch Würzburg und den oberpfälzischen Landkreis Tirschenreuth als positive Beispiele. Am anderen Ende der Dynamikskala liegen der Landkreis Birkenfeld in Rheinland-Pfalz (Platz 400), Suhl in Thüringen (399) sowie Mainz (398), das vom starken Rückgang der BioNTech-Gewerbesteuereinnahmen belastet wird.

Im Niveauranking bleibt der Landkreis München seit zehn Jahren unangefochten auf Platz eins. Elf der zwanzig wirtschaftsstärksten Regionen liegen in Bayern. Schlusslicht ist Suhl – die schrumpfende thüringische Stadt liegt auch im Niveauvergleich auf dem letzten Platz, knapp hinter den Ruhrgebietsstädten Duisburg und Gelsenkirchen. Das nächste IW-Regionalranking ist für das Jahr 2028 geplant.