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Digitale Mini-Märkte: Sonntagsöffnung geplant

Die grün-schwarze Landesregierung will automatisierten Supermärkten künftig den Verkauf am Sonntag ermöglichen. Ziel ist es, die Nahversorgung – vor allem im ländlichen Raum – zu stärken.

In Baden-Württemberg gibt es bereits rund 180 automatisierte Mini-Supermärkte, die ohne Personal auskommen und häufig rund um die Uhr geöffnet sind. In Großstädten sind viele davon fest etabliert, und auch im Ländlichen Raum erfahren sie immer größeren Zuspruch. Gerade hier könnte das Konzept eine Lücke füllen, denn vielen kleinen Gemeinden fehlt es seit langer Zeit an Supermärkten, die die Nahversorgung mit Lebensmitteln gewährleisten. 

Begrenzte Sonntagsöffnung für „Smart Stores“ 

Doch sonntags bewegen sie sich bislang in einer rechtlichen Grauzone: Das Ladenöffnungsgesetz schreibt vor, dass Verkaufsstellen an Sonn- und Feiertagen geschlossen bleiben müssen. Nach der Sommerpause soll nun ein Gesetzentwurf ins Kabinett gehen, der Smart Stores eine zeitlich begrenzte Sonntagsöffnung erlaubt. Die Landesregierung will damit vor allem die Nahversorgung auf dem Land stärken. Vorgesehen ist unter anderem, die Verkaufsfläche zu begrenzen, um den Charakter als Kleinstmarkt zu wahren. Das Wirtschaftsministerium spricht von einem „komplexen Thema“, bei dem sich der Schutz des arbeitsfreien Sonntags mit den Chancen einer besseren Versorgung im ländlichen Raum gegenübersteht.

Kritik und Zuspruch 

Kritik kommt von der „Allianz für den freien Sonntag“, einem Bündnis aus kirchlichen Organisationen und der Gewerkschaft ver.di. Sie warnen vor Wettbewerbsverzerrung und zusätzlichen Belastungen für Beschäftigte. Auch personallose Märkte benötigten sonntags Arbeitskräfte für Warenbestückung, Reinigung und Überwachung. Der Sonntag sei der „letzte Orientierungspunkt im Wochenkalender“, so ver.di-Landeschefin Maike Schollenberger – mit einer Schlüsselrolle für das soziale Leben. Befürworter verweisen dagegen auf die Vorteile für Verbraucherinnen und Verbraucher.

Umsatzstarker Sonntag 

Laut einer Erhebung der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), die der SWR in einem Bericht zitiert, finden mehr als 80 Prozent der Smart-Store-Nutzer, dass diese den Alltag erleichtern und den Ort aufwerten – besonders durch die Sonntagsöffnung. Für die Betreiber ist dieser Tag oft wirtschaftlich entscheidend: Rund 30 Prozent des Umsatzes entstehen laut DHBW sonntags. Der Handelsverband Deutschland sieht zudem eine Chance, die Digitalisierung im Einzelhandel voranzutreiben und den Personalmangel abzufedern.

Liberale fordern Rechtssicherheit 

Der mittelstands- und handelspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Prof. Erik Schweickert, unterstützt die geplante Gesetzesänderung, warnt aber vor leeren Versprechen. „Wir brauchen dringend Rechtssicherheit und verlässliche Sonntagsöffnungen für automatisierte Kleinläden“, so Schweickert. Er fordert darüber hinaus eine grundlegende Überarbeitung des Ladenöffnungsgesetzes – vom Wegfall des Anlassbezugs für verkaufsoffene Sonntage bis zur Abschaffung von Tanzverboten an Feiertagen. Stückwerk reiche nicht aus.