Die Kommune als Ganzes im Blick
Wohnraummangel, leerstehende Gebäude, Hitzeperioden, sanierungsbedürftige Ortskerne und der Wunsch nach attraktiven öffentlichen Räumen: Die Liste kommunaler Herausforderungen ist lang. Die Städtebauförderung 2027 setzt deshalb bewusst auf einen integrierten Ansatz. Gefördert werden nicht einzelne Vorhaben, sondern Maßnahmenbündel, die mehrere Ziele gleichzeitig verfolgen.
„Städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen sind Gesamtmaßnahmen“, betont ein Sprecher des Ministeriums für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg (MLW). Städte und Gemeinden müssen dabei für ein klar abgegrenztes Gebiet Entwicklungsziele formulieren und verschiedene Handlungsfelder miteinander verknüpfen. Grundlage dafür ist ein Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK), das die langfristige Entwicklung des Quartiers oder Ortskerns beschreibt.
Mehr als ein einzelnes Bauprojekt
Der Förderaufruf für das Programmjahr 2027 setzt dabei klare Schwerpunkte. Vorrang haben Projekte, die Wohnraum schaffen oder erhalten, leerstehende Immobilien aktivieren, Brachflächen entwickeln sowie Orts- und Stadtkerne langfristig stärken. Gleichzeitig sollen Klimaschutz, Klimaanpassung und Barrierefreiheit mitgedacht werden.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr: „Welches Projekt wollen wir umsetzen?“ Vielmehr geht es darum, wie unterschiedliche Herausforderungen gemeinsam gelöst werden können.
Ein Beispiel liefert die Gemeinde Weissach im Kreis Böblingen. Dort soll ein ehemaliges Volksbankgebäude in der Ortsmitte zu einem Bürgerzentrum mit sozialen, kulturellen und gesundheitlichen Angeboten umgebaut werden. Aus einem Leerstand entsteht damit ein neuer Treffpunkt, der gleichzeitig zur Belebung des Ortskerns beiträgt.
Ähnlich verfolgt die Stadt Leutkirch im Allgäu im Sanierungsgebiet „Entlang der Eschach“ mehrere Ziele gleichzeitig. Neben der Weiterentwicklung der Innenstadt sollen Wohnraum geschaffen und die Verbindungen zwischen historischem Stadtkern und Bahnhofsbereich verbessert werden.
Wohnraum dort schaffen, wo bereits Infrastruktur vorhanden ist
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Innenentwicklung. Statt neue Baugebiete auf der grünen Wiese auszuweisen, sollen bestehende Flächen und Gebäude besser genutzt werden.
Wie groß die Potenziale sein können, zeigt die Gemeinde Dornstadt bei Ulm. Im geplanten Sanierungsgebiet „Dornstadter Höfe“ soll ein bislang brachliegendes Areal entwickelt werden. Geplant ist die Schaffung von mehr als 800 Wohnungen.

Ein Beispiel für die Städtebauförderung 2027: In Dornstadt sollen auf einem bislang brachliegenden Areal unter anderem mehr als 800 Wohnungen entstehen. Fotos: Gemeinde Dornstadt
Auch zahlreiche andere Kommunen setzen auf die Umnutzung bestehender Gebäude. So soll in Kirchheim am Neckar ein ehemaliges Verwaltungsgebäude zu einem Jugend-, Familien- und Vereinszentrum werden. In Löchgau ist vorgesehen, Teile des ehemaligen Gasthofs Krone zu einer Begegnungsstätte umzubauen.
Die Beispiele zeigen, dass Innenentwicklung weit mehr sein kann als reine Wohnraumschaffung. Oft entstehen gleichzeitig neue Orte für Begegnung, Kultur und gesellschaftliches Leben.
Klimaanpassung wird zum festen Bestandteil
Zunehmend wichtig wird auch die Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Städte und Gemeinden sollen nicht nur Gebäude modernisieren, sondern auch ihre Freiräume klimaresilient gestalten.
Die Gemeinde Mauer im Rhein-Neckar-Kreis verfolgt im Rahmen ihrer Sanierungsmaßnahme „Ortskern II“ einen besonders umfassenden Ansatz. Geplant sind unter anderem zusätzliche Begrünungen, neue Bäume im öffentlichen Raum, der Erhalt von Grünflächen als Kühlinseln, die energetische Sanierung von Gebäuden sowie die Prüfung eines Wärmenetzes.
In Volkertshausen steht die klimaresiliente Weiterentwicklung der Ortsmitte im Mittelpunkt. Dazu gehören die Umgestaltung von Grünflächen, die Teilrenaturierung eines Kanals sowie Maßnahmen zur nachhaltigen Mobilität.
Damit wird deutlich: Klimaanpassung ist längst kein separates Umweltthema mehr. Sie wird zunehmend Teil einer ganzheitlichen Orts- und Stadtentwicklung.
Langfristige Strategien statt schneller Lösungen
Für Kommunen bedeutet dies allerdings auch einen höheren Planungsaufwand. Städtebauliche Erneuerungsmaßnahmen laufen häufig über acht, zehn oder sogar fünfzehn Jahre. Entsprechend wichtig sind realistische Zeitpläne, belastbare Kostenkalkulationen und ein breiter Rückhalt in Verwaltung und Gemeinderat.
Nach Einschätzung des MLW zeichnen sich erfolgreiche Maßnahmen vor allem dadurch aus, dass Politik und Verwaltung die vereinbarten Ziele konsequent verfolgen und die Projekte langfristig unterstützen.
Die Beispiele aus Baden-Württemberg zeigen, wohin die Entwicklung geht: Gefragt sind keine isolierten Einzelmaßnahmen mehr. Erfolgreich sind vielmehr jene Kommunen, denen es gelingt, Wohnraumschaffung, Ortskernentwicklung, Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität in einer gemeinsamen Strategie zusammenzuführen. Genau dort setzt die Städtebauförderung 2027 an.