Neue Wege für brachliegende Weinberge
Steigende Kosten, sinkender Weinkonsum und fehlende Betriebsnachfolger setzen Winzerbetriebe unter Druck. Immer mehr Rebflächen werden aufgegeben. Solche sogenannte „Drieschen“ verändern nicht nur das Landschaftsbild, sondern erhöhen auch den Schädlingsdruck in benachbarten Weinbergen. Für die Kommunen sind damit zugleich Fragen der Landschaftspflege und des Tourismus verbunden.
Welche Ziele verfolgt das Sonderprojekt Weinbau Mittelbaden?
Wie sich dieser Wandel gestalten lässt, haben die Städte Baden-Baden und Bühl sowie die Gemeinden Bühlertal, Sinzheim und Ottersweier gemeinsam mit dem Landkreis Rastatt und dem Land untersucht. Das 2025 gestartete Sonderprojekt „Weinbau Mittelbaden“ unter Leitung des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung (LGL) wurde am 22. Oktober 2026 in Bühl-Altschweier abgeschlossen. Ziel ist es, geeignete Weinbaulagen langfristig zu sichern und für aufgegebene Flächen neue Perspektiven zu entwickeln.
Weinbau auf geeignete Lagen konzentrieren
Zentrales Ergebnis ist ein räumliches Zonierungskonzept: In einer neu bestimmten Weinbauzone sollen möglichst zusammenhängende Rebflächen erhalten bleiben. Eine Pufferzone kann gepflegte Brachen, Streuobst oder Weideflächen aufnehmen und bei Bedarf wieder für den Weinbau genutzt werden. Für andere aufgegebene Lagen kommen alternative Nutzungen infrage. So soll verhindert werden, dass verstreute Brachen die Bewirtschaftung der verbliebenen Weinberge erschweren.
Wie lassen sich brachliegende Rebflächen nachnutzen?
Dafür wurde ein 49-seitiger Nutzungskatalog erarbeitet. Er beschreibt Möglichkeiten wie Beweidung, Blühflächen, Obst- und Nusskulturen, Aufforstung, Wasserrückhalt und Energiegewinnung. Steckbriefe und Checklisten erläutern Fördermöglichkeiten, Genehmigungen und rechtliche Grenzen. Gerade für Kommunen relevant: Viele Rebflächen liegen in Landschaftsschutzgebieten. Auch touristische Einrichtungen oder Photovoltaikanlagen sind nicht überall ohne Weiteres zulässig. Der Katalog ist daher als Orientierungshilfe gedacht, nicht als Patentlösung.
Flächenbörse und Unterstützung für Kommunen
Über eine Flächenbörse beim Landkreis Rastatt können Eigentümer Rebgrundstücke verkaufen, verpachten oder freiwillig tauschen. Interessierte können gezielt nach Flächen suchen. Zudem wurde eine App zur Erfassung nicht mehr bewirtschafteter Weinberge entwickelt. Im Projektgebiet haben die Kommunen verwilderte Flächen erfasst und damit begonnen, deren Eigentümer zu ermitteln. Bei Verstößen gegen Bewirtschaftungspflichten kommen nach Anhörung auch behördliche Anordnungen zur Rodung oder Wiederaufnahme der Bewirtschaftung in Betracht. Auf Dauer wird es jedoch vor allem auf die Mitwirkung der Eigentümer ankommen.
Welche Unterstützung erhalten Kommunen bei der Umsetzung?
Für die Umsetzung des Konzepts sagte Landwirtschaftsministerin Marion Gentges bei der Abschlussveranstaltung finanzielle Unterstützung für ein Regionalmanagement zu. Dieses soll helfen, aus den Vorschlägen konkrete Schritte vor Ort zu machen. Die Erfahrungen des Pilotprojekts sollen auch anderen Weinbauregionen zugutekommen.
Die Ergebnisse sind auf der Projektseite des LGL abrufbar – darunter die Abschlusspräsentation, Kartenentwürfe und der vollständige Nutzungskatalog.