Unfallbilanz ist Auftrag an die Kommunen
Die Halbjahresbilanz 2025 zur Verkehrsunfallentwicklung in Baden-Württemberg bringt gemischte Nachrichten: Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle sank leicht um 0,4 Prozent auf 150.957, und auch die Zahl der Schwerverletzten ging um 3,8 Prozent zurück. Gleichzeitig starben jedoch 188 Menschen im Straßenverkehr – ein Anstieg um 17,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für Kommunen ist das ein klarer Handlungsauftrag.
Pedelecs: Sicher unterwegs, gerade für Ältere
Besonders alarmierend: Die Zahl der getöteten Pedelec-Fahrerinnen und -Fahrer hat sich mehr als verdoppelt – von 9 auf 22, davon 16 im Seniorenalter. Für Kommunen bedeutet das: Radwege müssen sicher, gut beleuchtet und von motorisiertem Verkehr getrennt sein. Schulungsangebote in Kooperation mit Vereinen oder Volkshochschulen können älteren Radfahrenden helfen, ihre Fahrtechnik zu verbessern.
E-Scooter: Prävention dort, wo sie gebraucht wird
Auch bei E-Scootern steigen die Unfallzahlen weiter: 841 Unfälle (+44,3 Prozent) und vier Todesopfer im ersten Halbjahr 2025. Die meisten Fahrer waren zwischen 14 und 24 Jahre alt. Hier können Städte durch klar markierte Fahrzonen, Abstellflächen, Geschwindigkeitsbegrenzungen und Präventionsaktionen an Schulen und Jugendtreffs gezielt ansetzen.
Raserei und Drogen am Steuer: Kontrollen und Aufklärung
Überhöhte Geschwindigkeit bleibt mit 36 Prozent Hauptursache tödlicher Unfälle. Kommunen können in Zusammenarbeit mit der Polizei gezielte Geschwindigkeitskontrollen an Unfallschwerpunkten durchführen und über lokale Kampagnen verdeutlichen, dass Rasen kein Kavaliersdelikt ist. Ebenfalls besorgniserregend: Ein Plus von 29,7 Prozent bei drogenbedingten Verkehrsunfällen. Hier braucht es lokale Präventionsarbeit, Kooperation mit Suchtberatungsstellen und klare Signale, dass Alkohol- und Drogenfahrten nicht toleriert werden.
Kommunen als Schlüsselakteure
Innenminister Thomas Strobl betonte bei der Vorstellung der Bilanz: „Wir müssen aufeinander Rücksicht nehmen und uns umsichtig im Straßenverkehr verhalten. Hier geht es um Menschenleben.“ Für Städte und Gemeinden heißt das konkret: Sie sind nicht nur Planer und Erhalter der Infrastruktur, sondern auch Multiplikatoren für Verkehrssicherheitskampagnen und Partner der Polizei. Die Zahlen sind ein Weckruf – und eine Einladung, vor Ort konsequent an sichereren Straßen zu arbeiten.
