EIn mann liegt im Wald in Schömberg in einer Hängematte des Themenpfades
Ruheinseln zum Auftanken: Entlang der Themenwege im Kur- und Heilwald Schömberg laden Hängematten zum Verweilen unter dem Blätterdach ein.
© Dominik Menton-Enderlin

Neues Handbuch unterstützt Kommunen bei Kur- und Heilwäldern

Das Land hat ein Handbuch für die Entwicklung von Kur- und Heilwäldern veröffentlicht. Der Leitfaden der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt begleitet Kommunen von der ersten Idee bis zum laufenden Betrieb. Gerade waldbesitzende Gemeinden sollen davon profitieren.

Waldaufenthalte senken nachweislich Herzfrequenz und Blutdruck, bauen Stresshormone ab und fördern das Wohlbefinden. Der Gedanke, den Wald gezielt für die Gesundheit zu nutzen, stammt aus Japan: Dort prägte die Forstbehörde bereits 1982 den Begriff Shinrin Yoku, wörtlich „Waldbaden“. Inzwischen ist die Methode wissenschaftlich gut untersucht und in Japan als Ansatz der Gesundheitsvorsorge anerkannt, mit landesweit zertifizierten Therapiewäldern und teils ärztlicher Begleitung. Auch in Deutschland hat das Konzept Fuß gefasst: In Mecklenburg-Vorpommern, wo Kur- und Heilwälder gesetzlich verankert sind, können Therapien im Heilwald sogar ärztlich verordnet werden. Diese Wirkung des Waldes will nun auch Baden-Württemberg systematisch nutzbar machen.

Am 2. Juli 2026 stellte die Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat, Marion Gentges, im Rahmen der Sommersitzung des Dialogforums „Miteinander Wald Erleben“ in Schömberg im Landkreis Calw das neue „Handbuch für Kur- und Heilwälder in Baden-Württemberg“ vor. Ziel sei es, Kur- und Heilwaldprojekte landesweit zu stärken und gesundheitsfördernde Angebote im Wald praxistauglich und wissenschaftlich fundiert zu unterstützen, sagte Gentges.

Erarbeitet wurde das Handbuch von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Kooperation mit der Hochschule Furtwangen. Mitgewirkt hat eine landesweite Arbeitsgruppe, in der neben Gesundheits-, Tourismus- und Forstverbänden auch der Gemeindetag Baden-Württemberg und die Gemeinde Schömberg vertreten waren.

Wege zum Heilwald: Vom Kriterienkatalog bis zur Finanzierung

Das Handbuch bündelt Fachwissen aus Forstwirtschaft, Medizin, Public Health und Tourismus. Es erläutert die Grundlagen für Planung, Finanzierung, Ausweisung und Zertifizierung von Kur- und Heilwäldern und enthält einen Kriterienkatalog für Baden-Württemberg. Im Anhang finden sich eine Checkliste zur Vorprüfung von Projekten sowie ein Muster-Ausfüllbogen für das Nutzungskonzept, das forstliche, medizinisch-therapeutische und gesundheitstouristische Anteile zusammenführt.

Dabei unterscheidet das Konzept zwei Ansätze: Kurwälder sind auf Gesunderhaltung und Gesundheitsförderung ausgerichtet, in Heilwäldern liegt der Fokus auf der therapeutischen Behandlung definierter Krankheitsbilder. In der Praxis werden beide Ansätze häufig kombiniert.

Heil- und Kurwälder wirtschaftliche Entwicklungschance für waldbesitzende Kommunen

Städte und Gemeinden könnten von diesen Ansätzen profitieren und in Sachen Naherholung, Gesundheitstourismus und Standortentwicklung attraktiver werden. FVA-Direktor Ulrich Schraml betonte, gerade waldbesitzenden Kommunen biete sich in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten mit den Kur- und Heilwäldern eine attraktive Entwicklungschance. Auch Gentges verwies darauf, dass es beim Thema Wald und Gesundheit nicht nur um Freizeitgestaltung gehe, sondern um gesundheitspolitische Infrastruktur und nachhaltige Regionalentwicklung.

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigen erste Projekte im Land: Heidelberg setzte 2020 als erste baden-württembergische Kommune ein Kur- und Heilwaldprojekt um, im April 2024 folgte Schömberg im Nordschwarzwald. Das Handbuch soll nun weiteren Kommunen, Kliniken, Reha- und Kureinrichtungen sowie Tourismus- und Gesundheitsakteuren als Impulsgeber dienen.

Das Handbuch ist Teil der Waldstrategie Baden-Württemberg 2050. Sie zielt als langfristiger Handlungsrahmen darauf ab, die gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Ansprüche an den Wald miteinander in Einklang zu bringen. 

Download „Handbuch für Kur- und Heilwälder in Baden-Württemberg“