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Neue Daten für die Zukunftsplanung der Kommunen

Wie entwickelt sich die Einwohnerzahl? Wo steigt der Bedarf an Kita-Plätzen, wo an seniorengerechtem Wohnen? Mit der neuen Ausgabe von „Statistik Kommunal 2026“ liefert das Statistische Landesamt Baden-Württemberg Städten und Gemeinden eine umfassende Datengrundlage für ihre Planung. Die Zahlen zeigen: Der demografische Wandel gewinnt weiter an Dynamik – auch wenn langfristige Vorausberechnungen mit Augenmaß betrachtet werden müssen.

Wie viele Kinder werden in zehn Jahren noch eine Grundschule besuchen? Reicht das bestehende Wohnraumangebot aus? Und wie verändert sich der Bedarf an Pflege- und Betreuungsangeboten? Solche Fragen gehören längst zum kommunalen Alltag. Wer heute über Baugebiete, Schulen, Kindertagesstätten oder die kommunale Infrastruktur entscheidet, muss Entwicklungen oft Jahrzehnte im Voraus mitdenken.

Genau hier setzt die neue Ausgabe von „Statistik Kommunal 2026“ an. Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg stellt für jede Stadt und Gemeinde ein umfangreiches statistisches Profil bereit. In 13 Themenkapiteln bündelt die Veröffentlichung Daten zu Bevölkerung, Bildung, Arbeitsmarkt, Bauen und Wohnen, Gemeindefinanzen, Umwelt, Verkehr sowie den Ergebnissen der Landtagswahl 2026. Gerade kleinere und mittlere Kommunen, die häufig nicht über eigene Statistikstellen verfügen, erhalten damit eine kompakte und vergleichbare Datengrundlage für politische und strategische Entscheidungen.

Bevölkerungszahl in BaWü stabil, aber kein selbstverständliches Wachstum

Besonders aufmerksam dürften viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister auf die Bevölkerungsentwicklung blicken. Erstmals seit 2009 ist die Einwohnerzahl Baden-Württembergs im Jahr 2025 leicht zurückgegangen. Zwar verzeichnete das Land weiterhin mehr Zu- als Fortzüge, die Wanderungsgewinne konnten das Geburtendefizit jedoch nicht mehr ausgleichen.

Der Blick auf die einzelnen Kommunen zeigt allerdings ein differenziertes Bild. Nach der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung bis zum Jahr 2045 zählen beispielsweise Bad Wimpfen (+7,1 Prozent), Bad Bellingen (+6,6 Prozent), Böllen (+6,5 Prozent), Bad Krozingen (+6,4 Prozent) und Bad Dürrheim (+6,2 Prozent) zu den Gemeinden mit den größten erwarteten Bevölkerungszuwächsen. Für Tunau im Landkreis Lörrach wird dagegen als einzige Gemeinde Baden-Württembergs ein leichter Bevölkerungsrückgang berechnet. Andere Kommunen werden zwar weiter wachsen, allerdings deutlich langsamer als in der Vergangenheit.

Die Gesellschaft wird älter

Noch deutlicher als die Einwohnerentwicklung zeichnet sich ein zweiter Trend ab: Baden-Württemberg altert. Besonders stark steigt das Durchschnittsalter nach den Berechnungen in der Gemeinde Bubsheim. Vergleichsweise jung bleiben dagegen Universitätsstädte wie Tübingen und Heidelberg, die weiterhin vom Zuzug junger Menschen profitieren.

Für die kommunale Praxis sind diese Entwicklungen von erheblicher Bedeutung. Sie beeinflussen unter anderem den Bedarf an Kinderbetreuung und Schulen, an barrierefreiem Wohnraum, Pflegeangeboten, medizinischer Versorgung und öffentlichem Nahverkehr. Gleichzeitig verschärft die Alterung vielerorts den Fachkräftemangel – auch in den Verwaltungen selbst.

Planung braucht belastbare Daten

Die Veröffentlichung macht zugleich deutlich, wie anspruchsvoll langfristige Bevölkerungsberechnungen inzwischen geworden sind. Das Statistische Landesamt weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei der regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung nicht um eine Prognose handelt, sondern um eine Modellrechnung. Grundlage sind Annahmen zur Entwicklung von Geburten, Sterbefällen und Wanderungen auf Basis des Jahres 2023.

Bereits heute zeigt sich, wie dynamisch sich diese Rahmenbedingungen verändern können. So fiel die tatsächliche Nettozuwanderung im Jahr 2025 deutlich geringer aus als bei der Erstellung der Vorausberechnung angenommen. Ändern sich Geburtenzahlen oder Wanderungsbewegungen dauerhaft, müssen deshalb auch langfristige Berechnungen angepasst werden. Für Kommunen liefern die Daten damit keine Gewissheiten, wohl aber eine belastbare Orientierung für ihre Planungen.

Wie wichtig verlässliche Bevölkerungszahlen für Städte und Gemeinden sind, hat zuletzt auch die Diskussion um den Zensus 2022 gezeigt. (Zum Stand der Diskussion lesen Sie bei unserer Mutterpublikation Kommunal ein aktuelles Interview) ein Zahlreiche Kommunen kritisierten Abweichungen zwischen den amtlichen Einwohnerzahlen und ihren Melderegistern und ließen das Verfahren wissenschaftlich überprüfen. Die Debatte machte deutlich, welche weitreichenden Folgen statistische Daten für kommunale Finanzen, Fördermittel oder die Infrastrukturplanung haben können. Umso wichtiger sind transparente Datengrundlagen und eine nachvollziehbare Einordnung ihrer Aussagekraft.

Werkzeug für Verwaltung und Gemeinderat

Die Veröffentlichung „Statistik Kommunal 2026” liefert keine politischen Antworten, schafft aber eine fundierte Grundlage für kommunale Entscheidungen. Wer wissen möchte, wie sich die eigene Gemeinde im Vergleich entwickelt, welche demografischen Herausforderungen bevorstehen oder wie sich zentrale Strukturdaten verändert haben, findet hier einen kompakten Überblick – und damit ein wichtiges Instrument für die strategische Entwicklung vor Ort.

Weitere Informationen finden Sie beim Statstischen Landesamt.