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Mehr Schüler, neues Pflichtfach, alte Baustellen: Was Kommunen jetzt beschäftigt

In Baden-Württemberg hat nach den Sommerferien wieder der Unterricht begonnen – für rund 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler. Für die Kommunen bedeutet das steigende Anforderungen an Räume, Ausstattung und Infrastruktur. Zugleich rückt ein neues Pflichtfach in den Mittelpunkt, das den digitalen Wandel abbilden soll. Neben Sanierungsstau und Personalengpässen werfen auch Fragen der Inklusion und der Schulwegsicherheit ihre Schatten.

Nach mehr als sechs Wochen Sommerferien hat in Baden-Württemberg das neue Schuljahr begonnen. Rund 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler machen sich wieder auf den Weg ins Klassenzimmer, darunter etwa 113.000 Kinder, die erstmals eingeschult werden. An den Grundschulen ist das Wachstum besonders spürbar: Sie zählen inzwischen mehr als 400.000 Kinder, was allein in diesem Jahr rund 440 zusätzliche Klassen nötig machte. Passend dazu steigen die Herausforderungen bei der Personalausstattung. Noch kurz vor Ferienende waren landesweit 1.159 Stellen an allen Schularten unbesetzt, allein an den Grundschulen knapp 150. Verschärft wurde die Lage durch einen Softwarefehler, der über Jahre hinweg rund 1.440 Planstellen im System verschwinden ließ - ein Skandal, der trotz seines Ausmaßes nicht zum Rücktritt von Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) führte. Immerhin kommt die Suche nach Lehrkräften wohl langsam in Fahrt - das zumindest verkündet das Ministerium.

Teure Schultüte 

Während die Schulen also wachsen, wird auch die Ausstattung immer teurer. Das Statistische Landesamt hat pünktlich zum Schulstart die Preisentwicklung rund um Schulmaterial und Schultüte ausgewertet – mit einem gemischten Ergebnis. Süßigkeiten sind ein zweischneidiges Geschäft: Kaugummis und Gummibärchen wurden im Schnitt 2,7 Prozent billiger, Schokoladentafeln verteuerten sich jedoch um satte 36 Prozent, Riegel und andere Schokoartikel um 26 Prozent. Obst, ebenfalls beliebt in der Schultüte, kostete im Schnitt 6,4 Prozent mehr. Auch das Lernmaterial schlägt kräftiger zu Buche: Schul- und Lehrbücher verteuerten sich um 3,8 Prozent, Farbstifte und Malkästen um 6,3 Prozent, Füller und Patronen um 5,6 Prozent. Einzige Entlastung: Papierprodukte wie Hefte oder Zeichenblöcke waren 1,2 Prozent günstiger als im Vorjahr. Für Kommunen, die bei Lernmitteln oder Zuschüssen mit in der Verantwortung stehen, ist das ein Hinweis darauf, dass Teilhabe längst auch eine finanzielle Dimension hat.

Neues Fach für KI und Social Media

Neu im Stundenplan ist das Pflichtfach „Informatik und Medienbildung“, das ab der fünften Klasse eingeführt wird. Eine Stunde pro Woche sollen Schülerinnen und Schüler künftig Grundlagen im Umgang mit Internet, sozialen Medien und KI-Assistenten lernen. Später kommt mehr klassische Informatik dazu. Bildungsverbände und Experten loben den Schritt grundsätzlich, kritisieren aber die Vorbereitung: Lehrkräfte seien oft nicht ausreichend geschult, zwischen Schularten entstehe ein Zwei-Klassen-System. Für die Kommunen heißt das, in digitale Infrastruktur zu investieren und verlässliche Supportstrukturen aufzubauen – auch im Hinblick auf die langfristige Verzahnung mit der eigenen Digitalstrategie.

Zum Schuljahresbeginn hat sich auch die Inklusionsdebatte verschärft. Der Landkreistag kritisiert, dass viele Kinder mit Behinderung nur dann am Unterricht teilnehmen können, wenn externe Schulbegleiter sie unterstützen – eine Aufgabe, die größtenteils von den Landkreisen finanziert wird. 2023 summierten sich die Kosten auf rund 212 Millionen Euro. Landkreistagspräsident Joachim Walter fordert, dass sich das Land künftig mindestens zur Hälfte an diesen Ausgaben beteiligt und stabile Strukturen für ein inklusives Schulsystem schafft.

Erlass für sichere Schulwege 

Und schließlich rückt die Sicherheit der Schulwege in den Blick. Jahr für Jahr kommt es morgens vor den Schulen zu chaotischen Situationen: Gedränge, Staus, gefährliche Wendemanöver. Allein im vergangenen Jahr zählte das Verkehrsministerium 378 Unfälle im Bereich von Schulen. Verantwortlich sind häufig die sogenannten Elterntaxis – gut gemeinte Fahrten, die paradoxerweise neue Gefahren schaffen. Mit einem neuen Erlass erleichtert das Land den Kommunen jetzt die Einrichtung von Schulstraßen, Schulzonen oder Hol- und Bringzonen (die:gemeinde berichtete). Diese lassen sich künftig ohne langwierige Gutachten und mit klaren Regeln vor Ort umsetzen. Ziel ist, Kindern einen sicheren und eigenständigen Weg zur Schule zu ermöglichen. Für Kommunen bedeutet das eine neue Handhabe, um pragmatisch auf Verkehrssituationen zu reagieren – und damit nicht zuletzt auch das Vertrauen der Eltern zurückzugewinnen.

So beginnt das neue Schuljahr mit einer Mischung aus Chancen und Herausforderungen. Mehr Schüler, höhere Kosten, neue Fächer und alte Baustellen: Für die Kommunen wird es entscheidend sein, mit welchen Prioritäten sie den Start ins Schuljahr 2025/26 gestalten – und wie schnell es gelingt, die nötigen Investitionen aus dem Sondervermögen tatsächlich vor Ort in Bewegung zu bringen.