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„Es geht um Köpfe und lokale Themen“

Die Kommunalwahlen 2025 in Nordrhein-Westfalen endeten mit zahlreichen Stichwahlen und teils überraschenden Ergebnissen. Während CDU und SPD Verluste hinnehmen mussten, konnte die AfD deutlich zulegen, blieb jedoch ohne Rathausspitze. Der Gemeindetag Baden-Württemberg hebt in seiner Analyse hervor, dass neben Parteizugehörigkeiten vor allem Persönlichkeiten und lokale Themen über den Wahlausgang entschieden.

Vergangenes Wochenende gingen die Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen mit zahlreichen Stichwahlen zu Ende.

Stärkste Kraft blieb die CDU mit 33,3 Prozent der Stimmen, musste jedoch leichte Verluste von rund einem Prozentpunkt hinnehmen. Die SPD erreichte 22,1 Prozent und verlor im Vergleich zu 2020 gut zwei Punkte. Die Grünen erlitten mit 13,5 Prozent ein deutliches Minus von 6,5 Punkten und zählen damit zu den größten Verlierern.

Deutlich zulegen konnte hingegen die AfD, die mit 14,5 Prozent ihr Ergebnis fast verdoppelte und einen Zuwachs von 9,4 Punkten erzielte. Die Linke kam auf 5,6 Prozent und gewann knapp zwei Punkte hinzu, während die FDP mit 3,7 Prozent spürbar an Zustimmung verlor. Insgesamt zeigen die Ergebnisse ein gestiegenes Gewicht der AfD in den kommunalen Vertretungen, während die bisherigen großen Parteien, insbesondere SPD und Grüne, teils deutliche Einbußen hinnehmen mussten. Trotz ihrer Zugewinne gelang es der AfD jedoch in keinem Rathaus des Bundeslandes, einen Chefposten zu erobern.

Eine ausführliche Analyse zu den Wahlen am vergangenen Wochenende finden Sie auf Kommunal.de.

Auch der Gemeindetag Baden-Württemberg hat die Ergebnisse unter die Lupe genommen. Nach seiner Einschätzung verdeutlichen die Kommunalwahlen einmal mehr, wie stark Persönlichkeiten und lokale Themen das politische Geschehen prägen. Klassische Parteihochburgen verlieren an Bedeutung, während Kandidatinnen und Kandidaten mit klaren Profilen und greifbaren Positionen vor Ort entscheidend punkten – oft bis auf wenige Stimmen Unterschied.

Vor diesem Hintergrund fasst der Gemeindetag seinen Befund zum Wahlausgang wie folgt zusammen:

Kommunalwahlen: Kandidatinnen und Kandidaten machen den Unterschied

Kommunalpolitik lebt von Persönlichkeiten. Mehr als auf Bundes- oder Landesebene entscheidet vor Ort, wer antritt und wie die Kandidatinnen und Kandidaten wahrgenommen werden. Die jüngsten Wahlen zeigen das deutlich: In Münster setzte sich ein Grüner gegen einen CDU-Bewerber durch, in Dortmund ein Christdemokrat gegen die SPD, in Mönchengladbach wiederum die Sozialdemokraten gegen die CDU und in Köln die SPD gegen die Grünen. Klassische Parteihochburgen, in denen die Kandidatur der dominierenden Partei fast automatisch den Sieg bedeutete, verlieren zunehmend an Bedeutung.

Sachthemen rücken in den Vordergrund

Neben den Personen entscheiden auch tatsächlich kommunalpolitische Themen vor Ort. In Bonn prägte etwa die Verkehrspolitik in der Stadt den Wahlkampf maßgeblich. Die grüne Oberbürgermeisterin hatte Autospuren zu Radwegen umgebaut und Parkgebühren erhöht – eine Politik, die für leidenschaftliche Debatten und letztlich für eine klare Stimmungslage bei der Wahl sorgte.

Jede Stimme zählt

Die Ergebnisse zeigen außerdem, wie knapp es auf der kommunalen Ebene zugehen kann. In Datteln verpasste der amtierende SPD-Bürgermeister André Dora die Wiederwahl um lediglich drei Stimmen – stattdessen gewann der CDU-Herausforderer denkbar knapp. In Siegen scheiterte CDU-Amtsinhaber Steffen Mues mit einem Rückstand von zehn Stimmen an seinem SPD-Gegenkandidaten. Und auch in der 173.000 Einwohner zählenden Stadt Mülheim an der Ruhr entschieden am Ende nur 67 Stimmen über den Wahlsieg der SPD-Kandidatin Nadja Khalaf gegenüber dem CDU-Bewerber Marc Buchholz.

Fazit

Die Kommunalwahlen machen deutlich: Es geht längst nicht mehr nur um Parteifarben. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein feines Gespür für die Herausforderungen in ihrer Kommune. Sie schauen genau hin, wem sie zutrauen, ihre Stadt in den kommenden Jahren zu führen.

Es geht um Köpfe, um lokale Themen – und manchmal um einzelne Stimmen.