Baukrise verschärft den Druck auf die Kommunen
Der Wohnungsbau kommt in Deutschland nicht aus der Krise. Nach einer aktuellen Prognose des ifo Instituts werden 2026 bundesweit nur noch rund 185.000 Wohnungen fertiggestellt. Das wären nochmals rund 22.000 weniger als im Vorjahr und der niedrigste Wert seit 2012. Die Experten machen dafür unter anderem steigende Baukosten, eine anziehende Bauinflation, geopolitische Unsicherheiten sowie lange Planungs- und Genehmigungszeiten verantwortlich. Eine spürbare Erholung erwarten sie frühestens ab 2027.
Für Städte und Gemeinden ist diese Entwicklung gleich in mehrfacher Hinsicht problematisch. Zum einen verschärft sich der Wohnungsmangel weiter. Gerade wachsende Kommunen stehen unter Druck, genügend Wohnraum für Familien, Fachkräfte und Auszubildende bereitzustellen. Gleichzeitig verzögern sich Neubauprojekte, während die Kosten weiter steigen.
Auch kommunale Bauprojekte werden teurer
Die Krise macht sich jedoch nicht nur auf dem Wohnungsmarkt bemerkbar. Auch kommunale Investitionen geraten zunehmend unter Druck. Ob Schulen, Kindertagesstätten, Feuerwehren, Verwaltungsgebäude oder Sporthallen – nahezu jedes Bauprojekt wird durch höhere Baupreise und längere Bauzeiten belastet. Hinzu kommt die angespannte Haushaltslage vieler Kommunen, die Investitionen zusätzlich erschwert.
Die Bundesregierung will mit dem sogenannten Bauturbo gegensteuern. Kommunen sollen künftig schneller nachverdichten sowie Gebäude einfacher aufstocken, erweitern oder umnutzen können. Gleichzeitig sind zusätzliche Mittel für den sozialen Wohnungsbau und Vereinfachungen bei Baustandards vorgesehen. Ob diese Maßnahmen den gewünschten Effekt erzielen, bleibt jedoch abzuwarten. Zwischen Baugenehmigung und Fertigstellung vergehen inzwischen durchschnittlich 27 Monate – rund ein halbes Jahr mehr als noch zu Beginn des Jahrzehnts.
Neue Prioritäten im kommunalen Hochbau
Der Kostendruck führt bereits dazu, dass Kommunen ihre Bauvorhaben grundsätzlich überdenken. So arbeitet die Landeshauptstadt Stuttgart derzeit an neuen Energierichtlinien für öffentliche Gebäude. Künftig sollen bei Neubauten und Sanierungen nicht mehr allein möglichst hohe energetische Standards im Vordergrund stehen, sondern stärker die gesamten Lebenszykluskosten eines Gebäudes.
Dahinter steht der Gedanke, dass komplexe Gebäudetechnik zwar hohe Effizienz verspricht, im laufenden Betrieb aber oft erhebliche Wartungs-, Reparatur- und Folgekosten verursacht. Stuttgart setzt deshalb künftig stärker auf einfache, robuste und wartungsarme Lösungen nach dem Prinzip „Low Tech“. Klimafreundliches Bauen bleibt zwar das Ziel, gleichzeitig sollen öffentliche Gebäude langfristig wirtschaftlicher betrieben werden können.
Die Diskussion dürfte auch andere Kommunen beschäftigen. Denn angesichts knapper Haushalte reicht es längst nicht mehr aus, Baukosten allein zu betrachten. Immer stärker rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie sich Gebäude über Jahrzehnte wirtschaftlich betreiben und unterhalten lassen. Die aktuelle Baukrise könnte damit nicht nur den Wohnungsbau verändern, sondern auch die Art und Weise, wie Kommunen künftig ihre eigenen Gebäude planen und errichten.