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Apotheken unter Druck

Die Apotheke um die Ecke verschwindet – vor allem auf dem Land. Ein bundesweiter Protesttag rückt das Problem ins Zentrum und wirft die Frage auf, wie sich die wohnortnahe Versorgung sichern lässt.

Geschlossene Türen, abgesenkte Rollläden: Mit einem bundesweiten Protesttag haben Apothekerinnen und Apotheker auf ihre angespannte Lage aufmerksam gemacht. In vielen Regionen blieb die Versorgung bewusst eingeschränkt. Damit sollte ein Signal an die Politik gesendet werden.

Die Branche sieht sich seit Jahren unter wachsendem Druck: steigende Kosten, zunehmende Bürokratie und eine aus ihrer Sicht unzureichende Vergütung. Im Zentrum des Protesttags stehen daher vor allem wirtschaftliche Forderungen der Apothekerschaft. Kernanliegen ist eine deutliche Erhöhung des Honorars für verschreibungspflichtige Medikamente, das seit Jahren nahezu unverändert ist, während die Kosten für Personal, Energie und Betrieb stark gestiegen sind. Viele Apothekerinnen und Apotheker verweisen darauf, dass politische Zusagen zur Anpassung bislang nicht umgesetzt wurden.

Darüber hinaus fordern sie Maßnahmen zur Sicherung der flächendeckenden Versorgung, insbesondere im ländlichen Raum, wo Schließungen besonders spürbar sind. Ziel ist es, die wirtschaftliche Stabilität der Betriebe zu gewährleisten und die inhabergeführte Vor-Ort-Apotheke als festen Bestandteil des Gesundheitssystems zu erhalten.

Apothekensterben auf dem Land: Ein schleichender Rückzug

Die Zahl der Apotheken nimmt kontinuierlich ab. Besonders in den vergangenen Jahren ist sie deutlich gesunken und hat zuletzt einen historischen Tiefstand erreicht. Seit 2013 ist die Zahl der Apotheken um fast 20 Prozent zurückgegangen. 2025 gab es laut Apothekenverband nur noch circa 16.600 Apotheken in Deutschland. Besonders betroffen sind ländliche Regionen.

Für die Bevölkerung bedeutet das: längere Wege, schlechtere Erreichbarkeit und im Ernstfall auch eine unsicherere Versorgung. Die Entwicklung ist das Ergebnis eines strukturellen Problems. Eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) aus dem Jahr 2025 zeigt, dass Apotheken eine zentrale Rolle für die alltägliche Gesundheitsversorgung spielen, insbesondere für ältere Menschen. Gleichzeitig bestehen deutliche Unterschiede in ihrer räumlichen Verfügbarkeit: Während ein Teil der Bevölkerung Apotheken gut und schnell erreichen kann, sind andere – je nach Stadtteil oder Lage – deutlich schlechter angebunden. Entscheidend sei dabei nicht nur die objektive Entfernung, sondern auch die subjektiv wahrgenommene Erreichbarkeit. Gerade für ältere Menschen wird die Nähe zu einer Apotheke zu einem wichtigen Faktor für Selbstständigkeit im Alltag. Die Ergebnisse machen deutlich, dass für die Versorgung mit Apotheken gezielte planerische Maßnahmen erforderlich sind, um eine gleichwertige Erreichbarkeit sicherzustellen. In der politischen Debatte wird zunehmend über gezielte Förderinstrumente für strukturschwache Regionen diskutiert, um die bestehenden Ungleichgewichte zwischen Stadt und Land auszugleichen.

Warum Apotheken schließen

Die Gründe für das Apothekensterben sind vielfältig. Zentral ist der wirtschaftliche Druck. Für viele Betreiber rechnet sich der Betrieb bereits heute kaum noch. Hinzu kommt ein massiver Fachkräftemangel. Gerade junge Apothekerinnen und Apotheker zieht es häufig in die Pharmaindustrie oder in städtische Regionen. Für sie gilt der ländliche Raum als weniger attraktiv – sowohl beruflich als auch privat. Besonders problematisch ist die Nachfolgefrage: Viele Inhaber gehen in den Ruhestand, doch es findet sich niemand, der die Apotheke übernimmt. Was bleibt, ist die Schließung.

Strukturelle Faktoren verschärfen die Lage zusätzlich. Weniger Ärztinnen und Ärzte bedeuten weniger Rezepte, weniger Kundschaft bedeutet weniger Umsatz. Gleichzeitig steigt laut Apothekerverband der bürokratische Aufwand, etwa durch Lieferengpässe und Dokumentationspflichten.

Politische Forderungen zur Rettung von Apotheken: Mehr als nur Geld

Die Diskussion um Lösungen ist in der Politik durchaus angekommen. Dabei zeigt sich: Einfache Antworten gibt es nicht. Eine zentrale Forderung ist die finanzielle Stärkung von Landapotheken. Dazu gehören höhere Vergütung für Apotheken in unterversorgten Regionen, gezielte Zuschläge oder Förderprogramme sowie eine bessere Honorierung zusätzlicher Leistungen.

Doch Geld allein reicht nicht. Immer stärker wird gefordert, die Rolle der Apotheken zu erweitern. Sie sollen künftig mehr Aufgaben übernehmen – etwa Impfungen, Präventionsangebote oder Gesundheitsberatung. Ziel ist es, Apotheken damit stärker als lokale Gesundheitszentren zu etablieren. Ein weiterer Ansatz, der oft genannt wird, ist die Flexibilisierung von Strukturen. Dazu gehören eine erleichterte Gründung von Filialapotheken, neue Betriebsmodelle mit mehreren Standorten und generell weniger bürokratische Hürden. Auch die Nachwuchsförderung rückt in den Fokus. Diskutiert werden Modelle nach Vorbild der Landarztprogramme – etwa Stipendien oder Verpflichtungen zur Tätigkeit im ländlichen Raum.

Was Kommunen für Apotheken tun können

Während viele Entscheidungen auf Bundes- oder Landesebene getroffen werden, können auch Kommunen eine entscheidende Rolle bei der Versorgung mit Apotheken spielen. Etwa indem sie lokale Rahmenbedingungen gestalten. Einige Gemeinden in Deutschland haben bereits reagiert – mit pragmatischen und teils kreativen Lösungen. Dazu zählt vor allem, Apotheken vor Ort gezielt zu entlasten, etwa durch günstige oder subventionierte Mieten, Zuschüsse für Modernisierung und Digitalisierung oder Unterstützung bei der Standortsuche. Daneben gilt es laut Expertinnen und Experten, die Attraktivität des gesamten Standorts in den Fokus zu rücken: Wohnraum für Fachkräfte, gute Kinderbetreuung sowie eine funktionierende Infrastruktur können entscheidend dazu beitragen, Apothekerinnen und Apotheker im ländlichen Raum zu halten.

Erfolgreiche Beispiele zeigen zudem, dass stabile Versorgungsstrukturen dort entstehen, wo Apotheken eng mit Ärzten und Pflegeeinrichtungen zusammenarbeiten. Kommunen können solche Netzwerke aktiv fördern und darüber hinaus neue Versorgungsmodelle ermöglichen, etwa durch die Unterstützung von Filialapotheken oder mobilen Angeboten. Auch die aktive Begleitung von Nachfolgeprozessen gewinnt an Bedeutung: Gemeinden vermitteln Kontakte, sprechen gezielt Absolventen an und unterstützen bei der Übergabe bestehender Betriebe.

Ein weiterer Ansatz sind Gesundheitszentren, in denen verschiedene Angebote wie Arztpraxen, Therapien und perspektivisch auch apothekennahe Dienstleistungen gebündelt werden. Ziel ist es, Versorgung zu konzentrieren und Synergien zu schaffen, sodass Patientenströme vor Ort bleiben.

Insgesamt zeigt sich: Kommunen können den wirtschaftlichen Druck auf Apotheken nicht direkt lösen, aber durch aktive Standortpolitik, Vernetzung und Unterstützung bei Ansiedlung und Nachfolge entscheidend dazu beitragen, dass ein Betrieb im ländlichen Raum überhaupt noch möglich bleibt.