Preise weiter auseinander – warum das Leben auf dem Land günstiger bleibt
Die Jahre 2022 bis 2024 waren wirtschaftlich außergewöhnlich: Energiepreise schossen nach oben, Lebensmittel verteuerten sich massiv, Wohnkosten blieben hoch. Dennoch zeigt der neue IW-Kurzbericht: Die regionalen Preisunterschiede in Deutschland haben sich kaum verändert.
Das Institut beobachtet die Preisentwicklung seit 2022 gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumplanung (BBSR). Für alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte wird regelmäßig ausgewertet, wie teuer der Alltag vor Ort ist – von Lebensmitteln über Dienstleistungen bis hin zu Mieten.
Das Ergebnis für 2024:
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In den Top-7-Großstädten liegt das Preisniveau weiterhin rund 11 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.
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In dünn besiedelten ländlichen Kreisen liegt es dagegen etwa 5 Prozent darunter.
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Auch die Extreme bleiben stabil: München bleibt teuerster Kreis (+24 %), der Vogtlandkreis günstigster (-10 %).
Kurz gesagt: Die Preisabstände zwischen Metropolen und ländlichen Räumen haben sich durch die Krisenjahre nicht weiter geöffnet.
Warum gleichen sich die Preise nicht an?
Laut IW liegt die Stabilität vor allem an strukturellen Faktoren, die selbst starke Preisschocks kaum verändern.
Dazu gehören:
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Hohe Nachfrage in Großstädten: Viele Menschen, hohe Einkommen – das treibt Preise dauerhaft nach oben.
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Geringere Nachfrage im ländlichen Raum: Bevölkerungsrückgang und niedrigere Einkommen dämpfen Preissteigerungen.
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Ähnliche Belastung durch Energiepreise: Ob Stadt oder Land – alle waren 2022/23 gleichermaßen betroffen.
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Lebensmittelpreise steigen überall ähnlich: Die Teuerung von 12 bis 13 Prozent in den Jahren 2022 und 2023 zeigte regional kaum Unterschiede.
Damit wirken kurzfristige Einflüsse schwächer als gedacht. Entscheidend bleibt, wie attraktiv, wohlhabend oder nachgefragt eine Region langfristig ist.
Wohnkosten bleiben Haupttreiber der Unterschiede
Am deutlichsten bleibt der Preisabstand beim Wohnen. 2024 lagen die Wohnkosten (Mieten, Strom, Wasser, Heizung) in den größten Städten:
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37 Prozent über dem Bundesdurchschnitt,
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die Angebotsmieten sogar 48 Prozent darüber.
In ländlichen Kreisen dagegen sind vor allem kalte Nebenkosten deutlich niedriger: bis zu 17 Prozent unter dem deutschen Durchschnitt.
Hinzu kommt: Auch wenn Immobilienpreise gefallen sind, hat das die Mietniveaus in Großstädten kaum entspannt. Viele bestehende Mietverträge steigen nur langsam, während neue Angebote weiterhin teuer bleiben.
Für kleinere Gemeinden bedeutet das: Wohnen bleibt ein klarer Standortvorteil – und wird es aufgrund der langfristigen Marktmechanismen wohl auch bleiben.
Inflation hat wenig verändert – und wirkt teils ausgleichend
Eine überraschende Erkenntnis der Studie:
Die stark gestiegenen Preise für Energie und Lebensmittel haben die regionalen Unterschiede nicht verschärft.
Energiepreise schwankten extrem (+29,7 % in 2022, +5,3 % in 2023, –3,2 % in 2024). Doch weil Strom, Gas und Kraftstoffe überall ähnlich teuer wurden, blieb der Abstand zwischen Stadt und Land konstant.
In einigen Bereichen führten die Preisentwicklungen sogar zu einer leichten Nivellierung. Regionen wurden also minimal ähnlicher, nicht unterschiedlicher.
Was bedeutet das für ländliche Kommunen?
Für Gemeinden im ländlichen Raum lassen sich aus der Analyse mehrere Punkte ableiten:
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Das Leben auf dem Land bleibt günstiger.
Der Preisvorteil von rund fünf Prozent ist stabil – und für viele Haushalte spürbar. -
Wohnkosten bleiben Kernvorteil.
Niedrige Mieten und geringere Nebenkosten sind ein wichtiger Standortfaktor, auch für Fachkräftegewinnung. -
Inflationsschocks treffen nicht härter als in Städten.
Preissteigerungen bei Energie oder Lebensmitteln laufen bundesweit sehr ähnlich. -
Regionale Attraktivität entscheidet langfristig.
Bevölkerungsentwicklung, Einkommen, lokale Wirtschaftskraft – all das prägt Preisstrukturen weit mehr als kurzfristige Krisen.
Ländlicher Raum mit Vorteilen gegenüber Metropolen
Der IW-Kurzbericht zeigt deutlich: Trotz aller wirtschaftlichen Turbulenzen bleiben die regionalen Preisunterschiede erstaunlich stabil. Besonders ländliche Kreise profitieren vom dauerhaft niedrigeren Preisniveau und moderaten Wohnkosten. Für Kommunen bedeutet das: Der ländliche Raum hat nach wie vor wirtschaftliche Vorteile gegenüber den Metropolen – und diese stabilen Preisstrukturen können ein wichtiger Baustein sein, um junge Familien, Fachkräfte und Unternehmen zu halten oder neu anzuziehen.
