Mehr Angriffe auf Mitarbeitende im öffentlichen Dienst
Beleidigungen, Drohungen und in einigen Fällen sogar körperliche Angriffe: Im Jahr 2024 wurden in Baden-Württemberg insgesamt 1.245 Straftaten gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst verzeichnet. Das teilte das Innenministerium in Stuttgart mit. Nicht einbezogen in diese Statistik sind dabei Straftaten gegen Polizei- und Rettungskräfte.
Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Anstieg von 15,7 Prozent. Ein wesentlicher Faktor für diesen Anstieg liegt laut Ministerium darin, dass mittlerweile auch weitere Tatbestände erfasst werden – darunter etwa sexuelle Beleidigungen, Verleumdung sowie Verletzungen der Privatsphäre durch Bildaufnahmen.
DGB fordert regelmäßige Deeskalationstrainings
Für die erste Jahreshälfte 2025 meldete das Ministerium hingegen einen Rückgang bei der Zahl der Vorfälle und betroffenen Personen im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres.
Maren Diebel-Ebers, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), wies auf eine hohe Dunkelziffer hin. Viele Betroffene hätten Hemmungen, Übergriffe zur Anzeige zu bringen. Besonders gefährdet seien Beschäftigte im öffentlichen Nahverkehr, in der Verwaltung, im Ordnungsdienst sowie in Erziehungs- und Beratungsstellen. „Wenn der Bus zu spät kommt, entlädt sich der Ärger schnell beim Fahrer“, so Diebel-Ebers. Sie fordert deshalb regelmäßige Deeskalationstrainings für alle, die im direkten Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern arbeiten.
Immerhin: Die Aufklärungsquote solcher Delikte liegt laut Innenministerium konstant bei über 90 Prozent.
Landeskonzeption zum Schutz von Beschäftigten im öffentlichen Dienst
Um besser auf solche Situationen vorbereitet zu sein, arbeitet die Gemeinsame Zentralstelle Kommunale Kriminalprävention (GeZ KKP) derzeit an einem Handlungskonzept. Dieses soll den Umgang mit Gewalt gegenüber Beschäftigten im öffentlichen Sektor verbessern – sowohl im direkten Kontakt als auch im digitalen Raum.
Die Landeskonzeption zum Schutz von Beschäftigten im öffentlichen Dienst vor Gewalt entstand auf Grundlage einer gemeinsamen Erklärung aus dem Jahr 2022. Darin hatten sich unter anderem das Innenministerium Baden-Württemberg, die Kommunalen Landesverbände sowie Gewerkschaften wie der DGB und der BBW klar gegen Gewalt ausgesprochen und sich auf die Entwicklung einer ressortübergreifenden Gesamtstrategie verständigt. Um diese Konzeption auszuarbeiten, wurde eine interministerielle Arbeitsgruppe eingerichtet, in der zahlreiche Landesministerien, Interessenvertretungen und Fachinstitutionen vertreten sind.
Die Konzeption umfasst ein Bündel konkreter Maßnahmen, das alle Phasen eines Gewaltvorfalls abdeckt – von der Prävention über die Intervention bis hin zur Nachsorge. Zu den zentralen Maßnahmen zählen:
- Einrichtung von behördenspezifischen Krisen- und Notfallplänen
- Schaffung zentraler Ansprechstellen und Fachkräfte für Gewaltprävention
- Einführung eines datenschutzkonformen Melde- und Monitoringsystems
- Aufbau einer Präventionsdatenbank mit differenzierten Handlungsempfehlungen
- Maßnahmen zur rechtlichen Unterstützung und psychologischen Betreuung von Betroffenen
- Deeskalationstrainings sowie Fortbildungsangebote für gefährdete Berufsgruppen
Weitere Informationen sowie die Präventionsdatenbank mit Handlungsempfehlungen finden Sie unter
https://www.kkp-bw.de/schwerpunkte/gewalt-gegen-beschaeftigte-im-oeffentlichen-dienst
