Kurze Wege, neue Lernwelten - Schulcampus Blumberg
Mit dem Neubau des Schulcampus in Blumberg hat die Stadt im Schwarzwald-Baar-Kreis mit rund 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ein zentrales Bildungszukunftsprojekt realisiert. Eröffnet wurde er im Juli 2024. Die Kommune hat ein vorbildliches Bildungsensemble geschaffen: einen modernen, barrierefreien Schulcampus, der Grundschule, Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum, Ganztagsbetreuung und Mensa in einer gemeinsamen Campusarchitektur vereint. Klare Baukörper, helle Lernlandschaften, kurze Wege und großzügige Aufenthaltsbereiche prägen das Erscheinungsbild. Die Architektur unterstützt das pädagogische Konzept ebenso wie die Idee eines offenen, gemeinschaftlichen Lern- und Lebensortes.
Zuvor waren Grundschule, Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ), Ganztagsbetreuung und Mensa auf mehrere Gebäude verteilt. „Ein Teil der Gebäude war sanierungsbedürftig und entsprach weder den heutigen pädagogischen Anforderungen noch den aktuellen baulichen Standards“, erinnert sich Stadtbaumeister Uwe Veit. Die räumliche Trennung habe den Alltag der Schulformen erschwert – organisatorisch wie pädagogisch.
Die Konsequenz: Blumberg entschied sich nicht für Stückwerk, sondern für einen klaren Schnitt. Ein gemeinsamer Schulcampus sollte entstehen. Modern, barrierefrei, vernetzt. Ein Projekt, das heute als Beispiel dafür gilt, wie Kommunen Schulbau strategisch und erfolgreich angehen können.
Zersplitterte Strukturen, begrenzte Möglichkeiten
Vor dem Neubau waren Grundschule, Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ), Ganztagsbetreuung und Mensa über das Stadtgebiet verteilt. Die Gebäude stammten aus einer Zeit, in der Frontalunterricht und starre Klassenräume die Regel waren. Differenzierung, Inklusion oder Ganztag ließen sich dort nur mit großem Improvisationstalent umsetzen. Die Auswirkungen spürten alle Beteiligten: Schülerinnen und Schüler, die täglich zwischen Standorten wechselten. Lehrkräfte, deren Zusammenarbeit durch Distanz erschwert wurde. Verwaltung und Träger, die parallele Infrastrukturen vorhalten mussten. „Kurze Wege, bessere Abstimmung und eine zeitgemäße Lernumgebung – das war mit der alten Struktur schlicht nicht machbar“, fasst Veit die Ausgangslage zusammen.
Die Lösung: Ein Campus, ein Konzept
Der Neubau in Blumberg folgt keinem architektonischen Selbstzweck, sondern einem klaren pädagogischen Leitbild. Grundlage ist das Clusterprinzip, ein Ansatz der pädagogischen Architektur, der Lernräume neu denkt. „Die pädagogischen Bedürfnisse wurden in enger Zusammenarbeit mit den Schulen strukturiert“, betont der Stadtbaumeister weiter. „Das räumlich-pädagogische Konzept war von Anfang an der Kompass für alle weiteren Entscheidungen.“

Lernen im Cluster statt im Klassenzimmer
Im Grundschulbereich gruppieren sich nun jeweils drei Unterrichtsräume mit zwei Differenzierungsräumen um einen sogenannten Marktplatz – einen offenen Lernbereich für Gruppen- und Einzelarbeit, Aufenthalt und Präsentationen. Innenfenster und Glastüren schaffen Transparenz und fördern Austausch.
Der Bereich des SBBZ bildet einen eigenständigen, angepasst gegliederten Cluster. Verwaltung, Schulleitungen, Sekretariat und Schulsozialarbeit sind zentral untergebracht. Lehrerzimmer werden schulformübergreifend genutzt – ein bewusstes Signal für Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Ziel war es, so Veit weiter, „mehr Flexibilität, Individualisierung und Differenzierung zu ermöglichen, die Selbstständigkeit der Kinder zu fördern und die Zusammenarbeit nachhaltig zu stärken“. Ebenso wichtig: die Integration von Ganztagsbetreuung und Mensa für eine effiziente gemeinsame Nutzung.
Was sich konkret verändert hat
Wie wirkt sich diese Architektur im Alltag aus? Die Schulen selbst ziehen laut Veit ein klares Fazit: „Die großzügigen, hellen und flexibel nutzbaren Räume ermöglichen eine abwechslungsreichere Unterrichtsgestaltung. Gruppenarbeiten, projektorientiertes Lernen und individuelle Förderangebote lassen sich nun deutlich leichter umsetzen.“
Auch die technische Ausstattung wird als Gewinn beschrieben. Digitale Medien, Präsentationstechnik und gut ausgestattete Fachräume unterstützen zeitgemäßen Unterricht und selbstständiges Lernen. Zudem berichten Lehrkräfte von einer spürbar besseren Atmosphäre: Gute Akustik, Rückzugsmöglichkeiten und eine freundliche Gestaltung förderten Konzentration und Wohlbefinden. Schülerinnen und Schüler fühlten sich „wertgeschätzt und ernst genommen“ – mit positiven Effekten auf das Schulklima.
Besonders bemerkenswert: Die räumliche Nähe fördert auch die Kooperation zwischen den Schulformen. Gemeinsame Feste, Theateraufführungen und Veranstaltungen stärken das Gemeinschaftsgefühl und die gegenseitige Akzeptanz.
Großes Projekt mit großen Dimensionen
Der Schulcampus ist nicht nur pädagogisch, sondern auch organisatorisch ein Großprojekt: Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 18,1 Mio. Euro. Insgesamt waren 63 Firmen beteiligt, 14 fachplanende Büros, 27 Gewerke. Die Stadt hat dafür 23 EU-weite Ausschreibungen erstellt, ergänzt durch beschränkte und freihändige Vergaben. Die Zeit bis zur Fertigstellung zählte die Stadt genau mit: 1.055 Tagen oder 91 Millionen Sekunden Bauzeit, also rund drei Jahre.
Die größten Kostenblöcke entfielen auf Rohbau (3,3 Millionen Euro), Elektroinstallation (1,6 Millionen Euro) und Außenanlagen (1,5 Millionen Euro). Für Möblierung und EDV-Ausstattung wurden zusammen rund 1 Millionen Euro investiert – ein klares Bekenntnis zur Nutzungsqualität.
Die Vergabe der Planungsleistungen für Architektur, Tragwerk, Elektro-, Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärtechnik sowie der Freianlagen erfolgte über VgV-Verfahren (Vergabeverordnung). Neben den bereits genannten Hauptgewerken entfielen weitere wesentliche Kostenblöcke auf Fenster- und Außentüren (rund 1,1 Millionen Euro), Sanitär- und Heizungsarbeiten (rund 800.000 Euro) sowie raumlufttechnische Anlagen (rund 700.000 Euro). Auch diese technische Infrastruktur trägt maßgeblich zur Qualität und Zukunftsfähigkeit des neuen Lernortes bei.
Fördermittel als wichtiger Baustein
Rund 2,84 Millionen Euro kamen für den Neubau aus Förderprogrammen, darunter KfW-Zuschüsse (BEG Kommunen), Mittel aus dem Schulbauförderungsprogramm, Investitionshilfen aus dem Ausgleichstock.
Der Erfolg des Blumberger Schulcampus beruht nicht nur auf einer reibungslosen Bauphase, sondern auf einer außergewöhnlich gründlichen Vorbereitung. Bereits zwischen 2015 und 2018 erarbeitete die Stadt das Raumprogramm und ein detailliertes Pflichtenheft. Es folgte ein VgV-Verfahren für Architektur- und Fachplanungsleistungen in den Jahren 2018 bis 2019. Von 2019 bis 2021 schloss sich die Planungsphase mit Bauantrag und Förderanträgen an, bevor 2021 schließlich der Baustart erfolgte.
Warum der Zeitplan hielt – und was andere Kommunen lernen können
Dass der Bau schließlich termingerecht abgeschlossen wurde, ist im kommunalen Hochbau keine Selbstverständlichkeit. Für Veit ist der Grund klar: Vorbereitung und klare Zuständigkeiten. „Eine wichtige Grundlage für den Projekterfolg waren die sehr guten Vorarbeiten auf Basis eines klar definierten räumlich-pädagogischen Konzepts“, sagt er. „Das hat spätere Planungsänderungen weitgehend vermieden.“
Hinzu kam eine bewusste Entscheidung: Die Projektsteuerung lag bei der Verwaltung selbst. Kurze Abstimmungswege, ein eigener Sonderausschuss „Schulcampus“ und regelmäßige Jour-fixe-Termine sorgten für schnelle, verbindliche Entscheidungen.
Öffentliche Baustellenführungen und eine kontinuierliche Kommunikation schaffen Akzeptanz
Aus den Erfahrungen in Blumberg lassen sich Empfehlungen für andere Kommunen ableiten. Entscheidend ist, pädagogische Anforderungen frühzeitig in den Mittelpunkt zu stellen und daraus ein tragfähiges Raum- und Nutzungskonzept zu entwickeln. Diese inhaltliche Klarheit zahlt sich später aus – sie reduziert kostspielige Planungsänderungen und sorgt für Verlässlichkeit im Projektverlauf. Ebenso wichtig ist eine eindeutig verortete Verantwortung: Eine Projektsteuerung in kommunaler Hand, ergänzt durch feste politische Gremien, verkürzt Abstimmungswege und ermöglicht schnelle, verbindliche Entscheidungen. Nicht zuletzt spielt laut Veit auch Transparenz eine zentrale Rolle. Öffentliche Baustellenführungen und eine kontinuierliche Kommunikation schaffen Akzeptanz, stärken das Vertrauen in das Projekt und binden Bürgerinnen und Bürger aktiv ein.
