Gesellschaftliche Teilhabe von Beginn an
Das Thema Inklusion im Bildungsbereich wird häufig mit Herausforderungen assoziiert – etwa mit hohem Ressourcenbedarf, Fachkräftemangel und der Sorge, dass reguläre Bildungsabläufe dadurch erschwert werden könnten. Dass Inklusion auch ganz selbstverständlich Teil des Bildungsalltags sein kann, zeigen die ausgezeichneten Projekte der WGV-Stiftung bei ihrem Wettbewerb „Vielfalt gemeinsam gestalten – Inklusion in der frühkindlichen Bildung“.
Dieser Wettbewerb wird nun fortgeführt. Bis zum 31. Oktober 2025 sind Kommunen, Träger von Kindertageseinrichtungen sowie geeignete Leistungserbringer eingeladen, ihre Projekte einzureichen. Im Fokus stehen Vorhaben, die die gesellschaftliche Teilhabe von Kindern mit (drohender) Behinderung bereits im Vorschulalter stärken und damit einen wichtigen Beitrag zu gelebter Inklusion leisten.
100.000 Euro für inklusive Ansätze, die mittelfristig ins Regelsystem überführt werden können
Insgesamt stellt die Stiftung von 2024 bis 2026 ein Fördervolumen von 300.000 Euro bereit. Pro Jahr wird ein Projekt ausgezeichnet und mit einer Summe von 100.000 Euro unterstützt, die in zwei Tranchen à 50.000 Euro ausgezahlt wird. Förderbar sind insbesondere Initiativen, die im Sinne des Sozialgesetzbuches IX (SGB IX) und im Rahmen des Landesrahmenvertrags SGB IX entwickelt und erprobt werden können. Die Projekte müssen nachhaltig angelegt sein und dazu beitragen, die Eingliederungshilfe für Kinder mit Behinderung in den württembergischen Landkreisen, Städten und Gemeinden weiterzuentwickeln.
Ziel ist es, erfolgreiche Ansätze mittelfristig in das Regelsystem zu überführen. Eine Ausweitung der bestehenden Aufgaben der Kita-Träger ist dabei ausdrücklich nicht vorgesehen. Teilnahmeberechtigt sind alle Kommunen, Einrichtungen und Träger, die in den Geschäftsgebieten der Württembergischen Gemeinde-Versicherung – also im früheren Land Württemberg und Hohenzollern – tätig sind. Bewerbungen können sowohl von einzelnen Trägern als auch von Kooperationen eingereicht werden. Unterstützt wird der Wettbewerb von den kommunalen Spitzenverbänden, dem Städtetag Baden-Württemberg, dem Gemeindetag Baden-Württemberg und dem Landkreistag Baden-Württemberg.
Gemeinde Korb mit wegweisendem Inklusionskonzept
In der ersten Ausschreibungsrunde 2024 überzeugte die Gemeinde Korb mit ihrem Projekt. Sie zeigte, dass Inklusion auch ganz selbstverständlich Teil des Bildungsalltags sein kann. Ausgezeichnet wurde sie für ihre Kindertageseinrichtungen und ihr durchdachtes Inklusionskonzept.
Die Gemeinde im Rems-Murr-Kreis mit rund 10.800 Einwohnerinnen und Einwohnern verfügt nicht nur über vergleichsweise gut ausgestattete Bildungseinrichtungen, sondern verfolgt mit einem Projekt unter dem Motto „Wo Köpfe wichtig sind und jedes Köpfchen wertvoll ist“ auch ein umfassendes Inklusionskonzept. Das Projekt stärkt die gesellschaftliche Teilhabe von Kindern mit Behinderungen im Vorschulalter und kann damit, laut der Jury, als Leuchtturm für andere Kommunen gelten.
Im Fokus des Korber Konzepts steht die frühzeitige Förderung aller Kinder – unabhängig von körperlichen oder geistigen Voraussetzungen. Das wird in Korb nicht nur als Ideal verstanden, sondern auch ganz praktisch umgesetzt, insbesondere durch die Festanstellung von ausreichend Integrations- und Sprachförderfachkräften sowie heilpädagogischer Fachberatung. Dadurch entstehen stabile und unterstützende Strukturen. Beispielsweise ist im Kinderhaus „Bienenstöckle“, das stellvertretend für alle Einrichtungen den Preis entgegennahm, Inklusion längst Teil des pädagogischen Alltags.
Inklusion: Kein Kind sollte übersehen werden
Das Korber Projekt sei ein „wegweisendes Beispiel dafür, wie Vielfalt gemeinsam gestaltet werden kann“, so die Jury in ihrer Begründung. Sie besteht aus einer unabhängigen Fachkommission, die das Projekt aus zahlreichen Einreichungen auswählte. Der damalige Korber Bürgermeister Jochen Müller freute sich über die Auszeichnung. Bei der Preisverleihung betonte er, wie stark die frühkindliche Förderung in Korb verankert ist. Mit dem kommunalen Förderprogramm „Korber Plus 2.0“ werden gezielt Fachkräfte für Sprachförderung und Integration gesichert, um Inklusion im Kita-Alltag aktiv zu leben.
Die Fachberaterin Caren Lederer, die unter anderem in der Gemeinde die Zusammenarbeit der pädagogischen Fachkräfte koordiniert, erklärte damals gegenüber der Presse, wichtigstes Ziel des Projekts sei, dass kein Kind übersehen werde. Ein eigens entwickeltes Screeningverfahren im letzten Kita-Jahr unterstützt dabei, Förderbedarfe rechtzeitig zu erkennen und den Übergang in die Schule optimal zu gestalten. „Viele Entwicklungsverzögerungen erkennt man nicht in Tests, sondern im täglichen Miteinander“, betonte Lederer. Genau hier setze man an – durch aufmerksame Beobachtung und frühzeitige Begleitung.
Nun beginnt der zweite Förderzeitraum. Mit dem Wettbewerb möchte die WGV-Stiftung auch 2025 Projekte sichtbar machen und unterstützen, die frühkindliche Bildung inklusiver gestalten und Kindern mit Behinderung bessere Teilhabechancen eröffnen. Bewerbungen können bis zum 31. Oktober 2025 per E-Mail an info@wgv-stiftung.de oder postalisch an die Stiftung der Württembergischen Gemeinde-Versicherung a.G., Tübinger Straße 55, 70178 Stuttgart, eingereicht werden.
Weitere Informationen zum Wettbewerb und zur Stiftung gibt es unter https://www.wgv-stiftung.de/projekte/vielfalt-gemeinsam-gestalten/
