Bauliche Hochwasserschutzanlage in Braunsbach
Zehn Jahre nach der Sturzflut: Braunsbach hat umfassende Vorsorgemaßnahmen gegen Extremwasser umgesetzt.
© Gemeinde Braunsbach

Zehn Jahre nach der Sturzflut

13. Mai 2026
Extremwasserereignisse treten immer häufiger auf – Kommunen müssen sich darauf vorbereiten. Braunsbach hat nach einer Sturzflut 2016 umfassende Vorsorgemaßnahmen umgesetzt. Wie sie zu mehr Sicherheit beitragen und was andere Gemeinden daraus lernen können, berichtet Bürgermeister David Beck.

Am 29. Mai 2016 richtete eine Sturzflut in unserer Kommune Schäden in Millionenhöhe an. Auslöser war kein Hochwasser, sondern Starkregen. Wild abfließendes Hangwasser sowie der innerhalb kurzer Zeit angeschwollene Orlacher Bach schwemmten Schlamm und Geröll in den Ort. Es war bis dahin eine der schwersten Naturkatastrophen im Südwesten.

Die Sturzflut hat uns gelehrt: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Ziel ist es, Menschen zu schützen und Schäden zu begrenzen. Dafür haben wir Maßnahmen ergriffen, die sich auch für andere Kommunen eignen. Denn Extremwasser kann jeden Ort treffen.

Den Orlacher Bach haben wir gebirgsbachartig befestigt, wie bei einem Fließgewässer in den Alpen – mit breiteren Querschnitten, stabilisierten Ufern und baulichen Sicherungen. So kann er große Wassermengen besser aufnehmen und ableiten. Ergänzend entstand im Oberlauf eine Rückhaltefläche, in der sich Wasser ausbreiten und gedrosselt abfließen kann. Besonders problematisch war 2016 das Geröll. Deshalb queren außerhalb des Dorfes Metallstreben den Fluss. Sie funktionieren wie ein Sieb und versperren großem Treibgut den Weg ins Dorf. Ein zweiter Geröllfang für zusätzlichen Schutz ist aktuell im Bau. Zwischen diesen Anlagen und dem Dorf liegt noch ein Feinsedimentfang – eine Wassergrube, die kleinere Bestandteile zurückhält.

Auch im Ort selbst haben wir nachgeschärft: erhöhte Licht- und Lüftungsschächte, Mauerscheiben vor den kommunalen Gebäuden sowie ein Erdwall, der Wasser vor einem Wohngebiet in Orlach zurückhält und ableitet. Solche vergleichsweise einfachen Lösungen können im Ernstfall die Sicherheit deutlich erhöhen.

Bauliche Hochwasserschutzmaßnahme in Braunsbach

Bauliche Vorsorgemaßnahmen schützen Braunsbach vor den Folgen von Starkregen und Extremwasser. Foto: Gemeinde Braunsbach

Risiken erkennen und Vorsorge steuern

Neben baulichen Maßnahmen spielen Analyse und Steuerung eine zentrale Rolle. Wir arbeiten mit Starkregengefahrenkarten und lassen unser Starkregenrisikomanagement regelmäßig überprüfen. So erkennen wir Risiken früh und können Maßnahmen gezielt anpassen. Digitale Werkzeuge wie FLIWAS helfen uns, Pegelstände im Blick zu behalten und die Lage tagesaktuell einzuschätzen.

Gleichzeitig bleibt die Eigenvorsorge der Bürgerinnen und Bürger wichtig. Unser Klimaausschuss treibt das Thema kontinuierlich voran und bindet die Bürgerschaft ein. Mit Veranstaltungen, Vorträgen und der Gedenkstätte „Fluthütte“ auf dem Marktplatz sensibilisieren wir für Risiken und zeigen Handlungsmöglichkeiten für alle.

Zum zehnten Jahrestag der Sturzflut veranstalten wir vom 29. bis 31. Mai ein öffentliches Gedenkwochenende mit Vorträgen, Exkursionen und Gewerbeschau. Parallel trifft sich die ExtremWasserPartnerschaft. Unter dem Dach der KEA Klimaschutz- und Energieagentur bietet sie Kommunen eine Plattform für Austausch und Zusammenarbeit – mit dem Ziel, die Resilienz von Städten und Gemeinden zu stärken.

Extremwasser und Klimaanpassung sind in Braunsbach fest verankert. Zugegeben, Vorsorge kann aufwendig und teuer sein, aber sie ist unverzichtbar und schützt im Ernstfall vor großen Schäden und Kosten. Ich empfehle anderen Kommunen im Land unbedingt, das auch zu tun.

Weitere Informationen
https://is.gd/Dw3gcN

Autor

David Beck, Bürgermeister der Gemeinde Braunsbach

David Beck ist Bürgermeister der Gemeinde Braunsbach.