Demokratie-Monitor: Kommunen bleiben Fels in der Brandung
Die Kommunen bleiben ein Stabilitätsanker für die Demokratie. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des Demokratie-Monitors 2026 der Universität Hohenheim. Während die Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie auf Bundesebene weiter sinkt, fällt die Bewertung der kommunalen Ebene deutlich besser aus.
59 Prozent der Befragten sind damit zufrieden, wie die Demokratie in ihrer Stadt oder Gemeinde funktioniert. Auf Landesebene liegt der Wert bei 51 Prozent. Die Bundesebene erreicht dagegen nur noch 39 Prozent. Im vergangenen Jahr waren es noch 44 Prozent, 2024 sogar 53 Prozent.
„Die kommunale Ebene erweist sich als stabile Stütze der Demokratie“, sagt der Kommunikations- und Politikwissenschaftler Professor Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim. Gerade in einer Zeit wachsenden Misstrauens gegenüber politischen Institutionen stehen die Kommunen damit wie ein Fels in der Brandung.
Demokratie wird vor Ort konkret
In Städten und Gemeinden erleben die Menschen unmittelbar, wie politische Entscheidungen zustande kommen und welche Folgen sie haben. Kommunalpolitik betrifft den Alltag: von Kinderbetreuung, Schulen und Wohnraum über Straßen und öffentlichen Nahverkehr bis zur Wasserversorgung, Feuerwehr und Gestaltung öffentlicher Räume.
Bürgermeister, Gemeinderäte und Beschäftigte der Verwaltungen sind zudem häufig persönlich ansprechbar. Entscheidungen und Verantwortlichkeiten bleiben dadurch eher nachvollziehbar als auf höheren politischen Ebenen. Die Ergebnisse des Demokratie-Monitors legen nahe, dass diese Nähe auch in einer angespannten politischen Stimmung trägt.
Allerdings stehen die Kommunen selbst unter erheblichem Druck. Knappe Kassen, fehlendes Personal, wachsende Pflichtaufgaben und langsame Verfahren erschweren es vielerorts, die Erwartungen der Menschen zu erfüllen. Bleiben sichtbare Verbesserungen aus oder können Kommunen zentrale Leistungen nicht mehr zuverlässig anbieten, könnte dies langfristig auch ihren Vertrauensvorsprung gefährden.
Unzufriedenheit mit dem Bund wächst
Deutlich kritischer bewerten die Befragten die Bundesregierung. Lediglich sieben Prozent sind mit ihrer Arbeit zufrieden. 65 Prozent zeigen sich unzufrieden, weitere 28 Prozent antworten mit „teils/teils“.
Auch das Vertrauen in die Bundesregierung ist gesunken. 57 Prozent der Befragten geben an, ihr zu misstrauen. Im vergangenen Jahr waren es 44 Prozent. Nur noch 21 Prozent sprechen der Bundesregierung ihr Vertrauen aus, gegenüber 32 Prozent im Jahr 2025.
Brettschneider sieht in der Unzufriedenheit mit der Bundesregierung einen wichtigen Treiber des Populismus. Zwar würden nicht alle Unzufriedenen zu Populisten. Die verbreitete Unzufriedenheit erleichtere populistischen Kräften jedoch ihre Arbeit.
Rechtspopulistisches Weltbild bei 17 Prozent
Nach den Ergebnissen des Demokratie-Monitors haben 17 Prozent der Befragten ein rechtspopulistisches Weltbild. Der Anteil liegt damit auf dem Niveau der beiden Vorjahre. Gewachsen ist allerdings die Gruppe der Menschen, die an der Schwelle zu einem solchen Weltbild steht.
Zwischen Ost- und Westdeutschland bestehen weiterhin Unterschiede. Im Osten liegt der Anteil der Befragten mit einem rechtspopulistischen Weltbild bei 21 Prozent, im Westen bei 16 Prozent. Besonders hoch ist er unter den Anhängern der AfD: Dort weisen laut Studie 78 Prozent ein populistisches Weltbild auf.
Je stärker ein rechtspopulistisches Weltbild ausgeprägt ist, desto größer fällt die Unzufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie aus. Dieser Zusammenhang zeigt sich auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. Auch die Kommunen können sich demnach nicht vollständig von der allgemeinen Vertrauenskrise abkoppeln.
Verschwörungserzählungen bleiben verbreitet
Der Demokratie-Monitor zeigt zudem, dass Verschwörungserzählungen bei einem beträchtlichen Teil der Bevölkerung auf Zustimmung stoßen. Rund ein Viertel glaubt, geheime Organisationen hätten großen Einfluss auf politische Entscheidungen. Ebenfalls 25 Prozent sehen Politiker und andere Führungspersönlichkeiten als „Marionetten“ dahinterstehender Mächte.
31 Prozent meinen, die Regierenden würden das Volk betrügen. Im Vorjahr waren es 24 Prozent. 29 Prozent glauben, die Regierung verschweige der Bevölkerung die Wahrheit. Auch das Misstrauen gegenüber klassischen Medien bleibt ausgeprägt: 22 Prozent stimmen der Aussage zu, die Bevölkerung werde von den Medien systematisch belogen.
Das größte Vertrauen genießen der Untersuchung zufolge Wissenschaft, Polizei und Gerichte. Am unteren Ende der Vertrauensskala stehen neben der Bundesregierung das Europäische Parlament, die politischen Parteien und die sozialen Medien.
Repräsentative Befragung
Seit 2021 untersucht die Universität Hohenheim jährlich das Demokratieverständnis der Bevölkerung. Für den Demokratie-Monitor 2026 befragte das Meinungsforschungsinstitut forsa im August insgesamt 4.059 Menschen ab 16 Jahren. Die Ergebnisse sind auf Bundesebene und für Baden-Württemberg repräsentativ.
Der kommunale Vertrauensvorsprung ist eine gute Nachricht. Er ist jedoch kein Selbstläufer. Damit Städte und Gemeinden ihre Rolle als Fundament der Demokratie weiter erfüllen können, brauchen sie ausreichende finanzielle Mittel, politische Handlungsspielräume und die Möglichkeit, Probleme vor Ort sichtbar zu lösen.